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Celle Stadt Ohne Ostumgehung keine Lösung für Celler Verkehrsprobleme
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ohne Ostumgehung keine Lösung für Celler Verkehrsprobleme
19:00 07.02.2015
Von Michael Ende
Könnte aus seinem Küchenfenster die Lkw fast berühren:  Blumlage-Anwohner Hans-Joachim Römermann. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Wenn Hans-Joachim Römermann sich aus dem Küchenfenster seiner Wohnung in der Blumlage herauslehnen würde, dann könnte er die auf der Straße vorbeidonnernden Lastkraftwagen beinahe mit der Hand berühren. Das will er nicht. Er will die Lkw am liebsten nicht sehen und auch nicht hören. Doch das ist unmöglich. „Der Schwerlast-Verkehrslärm wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Er dröhnt durch alle Räume“, sagt Römermann, der seit 1993 in der Blumlage wohnt. Damals war es dort vergleichsweise ruhig: „Heute macht uns alle hier der ständige Lärm und Schlafentzug krank.“

Lkw-Fahrverbot, Flüsterasphalt, Tempo 30, Lärmschutz an den Häusern, stationäre Blitzer - all das fordern Römermann und seine Nachbarn schon seit Jahren, unter anderem mit Unterschriftenlisten. Sie haben sich bereits an die Stadt Celle, den Niedersächsischen Verkehrsminister und das Bundesverkehrsministerium gewandt - bisher ohne Erfolg. „Man bekommt den Eindruck, wir seinen denen egal - Hauptsache, der Verkehr fließt“, ärgert sich Römermann.

Im Altstädter Ortsrat hatte er jetzt ein Aha-Erlebnis. Denn Stadtbaurat Ulrich Kinder schlug im Gespräch mit den Bürgern Töne an, die sie bisher aus dem Rathaus nicht kannten. Aktuelle Zählungen hätten ergeben, dass tatsächlich immer mehr Lkw durch die Blumlage brummten, so Kinder: „Darauf sollten wir reagieren.“ Während es kaum praktikabel sein dürfte, den Verkehr von der Bundesstraße wegzuleiten, könnte eine Temporeduzierung mehr Sinn haben: „Wir sollten überlegen, ob wir das eventuell auf Lkw oder auf die Nachtzeit begrenzen.“ Auch die Installation eines festen Blitzers werde geprüft. Während Flüsterasphalt noch Zukunftsmusik sei, da die Straße noch „zu gut“ sei, wolle sich die Stadt bei der Gewährung von Zuschüssen für Lärmschutz an Häusern kulant zeigen: „Die Lärm-Werte sind nicht so hoch, dass wir das machen müssten - wir machen es aber: Wir wollen alle Anträge auf passiven Lärmschutz positiv bescheiden.“

Kinder ließ keinen Zweifel daran, dass der gegenläufige Ausbau des Nordwalls noch mehr Lkw-Verkehr für die Blumlage mit sich bringen werde: „Erst wenn wir die B3-Ortsumgehung haben, werden Lkw um Celle herumfahren - vorher nicht.“ Wann es mit dem beklagten Mittelteil der Umgehung weitergeht, hängt auch vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg ab, das das Projekt 2012 wegen offener Fragen auf Eis gelegt hat. Jetzt müssen die Straßenplaner ihre Unterlagen in Umwelt-Details nachbessern, und das muss vom OVG abgesegnet werden. Kinder: „Es kann losgehen, wenn das Gericht grünes Licht gibt.“

Möglichst noch im Februar sollten die überarbeiteten Planungen fertiggestellt und der geänderte Planfeststellungsbeschluss dann dem Gericht vorgelegt werden, so Ostumgehungsplaner Bernd-Wilhelm Winkelmann: „Das dauert alles länger, als uns lieb ist - aber so ist das eben in einem Rechtsstaat.“ Das meint auch Wolfgang Maurer von der Bürgerinitiative „Alternative Ostumgehung Celle“. Mauer weiß, dass er oder andere auch gegen einen Beschluss des OVG noch Rechtsmittel einlegen könnten: „Die Kläger der Interessengemeinschaft, die durch ihre Klage eine Änderung in der Trassenführung erreichen wollen, sind enttäuscht über die weitere Verzögerung. Sie wünschen sich Klarheit über den Fortgang.“

Und wann geht es weiter? Hat das OVG die für Celle so immens wichtige Angelegenheit „auf dem Zettel“? Die Antwort , die OVG-Sprecherin Andrea Blomenkamp auf eine entsprechende Anfrage der CZ parat hat, lässt nicht erahnen, dass die Sache auf der Überholspur unterwegs ist. Sie steht immer noch auf dem Pannenstreifen: „Leider kann ich zum Verfahrensstand noch nichts Neues berichten.“ Die Angelegenheit "ruhe". Blomenkamp regt an, „sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut nach dem Verfahrensstand zu erkundigen.“