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Celle Stadt Ohne Patentrezept
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ohne Patentrezept
23:04 18.02.2010
Celle Stadt

Nein, ein Amoklauf war es wohl nicht, was da gestern in Ludwigshafen einen Lehrer das Leben kostete. Die Polizei vermied diesen Begriff zu Recht, weil das sehr wohl entsetzliche Geschehen nicht vergleichbar ist mit den schrecklichen Ereignissen vor fast einem Jahr in Winnenden (16 Tote) oder im April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt (17 Tote). Wenn aber wie im aktuellen Fall ein junger Mensch sich dazu entschließt, aus „sehr großer Wut“ einfach mal so eben einen ehemaligen Lehrer zu töten, dann muss im Leben des 23-Jährigen sehr viel mehr schief gelaufen sein – vor den schlechten Noten zu Hause und nach den schlechten Noten. Zurzeit ist der Täter ohne Arbeit.

Wie stets nach derartigen Verbrechen äußern Politiker sich „entsetzt“ und „betroffen“. Die Überlegung, was mehr hätte getan werden können, um eine solche Tat zu verhindern, ist im Nachhinein immer müßig. Nötig ist, das rechte Maß zu finden. Selbst eine zum Hochsicherheitstrakt ausgebaute Schule böte keine Gewähr dafür, dass Pädagogen – und Schüler – nicht doch in Lebensgefahr geraten können. Schließlich gehen auch sie nach dem Unterricht einmal nach Hause. Besser wäre es allemal, wenn es Lehrern und Eltern gelänge, ein soziales Klima zu erzeugen, in dem Angst, Unsicherheit, Versagen und Ausgrenzung erst gar nicht aufkommen. Zugegeben: Dies ist leichter gesagt als getan. Es bedingt nämlich die Bereitschaft der Schüler, selbst aktiv etwas zu tun und sich helfen zu lassen, wenn dies nötig ist. Aber daran mangelt es auch.

Eine „verstärkte Kultur der Aufmerksamkeit“, wie Bundespräsident Horst Köhler sie gestern von uns allen forderte, mag hilfreich sein. Dennoch bleibt es bei der traurigen Wahrheit: Ein Patentrezept, das Verbrechen wie jenes in Ludwigshafen oder die Amok­läufe in Erfurt und Winnenden für immer ausschließt, gibt es nicht – leider.

Von Hans-Jürgen Galisch