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Celle Stadt Oliver Steller fasziniert mit Lessing-Stück „Alles oder Nichts“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Oliver Steller fasziniert mit Lessing-Stück „Alles oder Nichts“
14:03 01.12.2011
Oliver Steller mit Programm "Gotthold Ephraim Lessing: Alles oder Nichts. Gedichte, Briefe, Leben mit Bernd Winterschladen (Saxophon) und Dietmar Fuhr (Kontrabass) in Kunst & B¸hne Quelle: Aneka Schult
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Seltene Blicke warf der Rezitator aus Köln auf Lessing als Sonderling und Zocker, nicht, um ihn vom Thron der geistigen Olympier zu stürzen, sondern um zu zeigen, wer der Dichter des „Nathan“ wirklich war.

So zitierte Steller einen philosophischen Lessing, der sich über das Glücksspiel und das Wirken des Zufalls Gedanken macht: „Man denke sich einen Menschen von unbegrenzter Neugierde, ohne Hang zu einer bestimmten Wissenschaft.

Unfähig, seinem Geiste eine feste Richtung zu geben, wird er, jene zu sättigen, durch alle Felder der Gelehrsamkeit herumschweifen, alles anstaunen, alles erkennen wollen, und alles überdrüssig werden.“ Höchst biografisch, aus Lessings eigener Feder über sich als Denker und Mensch, näherte sich Steller diesem rastlosen, lebensgierigen und gewitzten Aufklärer, was sehr erfrischend war. Der Reiz des Stücks, in dem der Sänger, Rezitator und Gitarrist in prägnanten Sätzen und pointierten Zitaten wichtige Stationen des vielseitig talentierten und interessierten Literaten, Theatermannes, Kritikers, Bibliothekars, Philosophen und Lebemannes beleuchtete, bestand im Dialog der zeitgemäß aufbereiteten Texte mit der brillanten, wachgeistigen Musik.

Bestückt mit Elementen des Jazz und Blues harmonierten die Kompositionen der erstrangigen Musiker aufs Herrlichste mit dem fein abgestimmten literarischen Fundament. Wunderbar ergänzen sich auch die drei Charaktere. Steller, eigentlich Gitarrist, gab nach einem Musikstudium in den USA und Jahren als freischaffender Musiker, 1995 als Rezitator sein Debüt und vertont seitdem Lyrik von Heine, Kästner, Goethe, Rilke oder Hölderlin. Winterschladen verbindet Traditionalismus und freies Spiel und ist, wie Fuhr, der zu den gefragtesten Bassisten Deutschlands gehört, virtuos und präsent. Genossen die Texte Lessings diese Aktualität und Dichte, überwältigte Steller am Ende mit einer ergreifenden Ringparabel. Ein musikalisch-sprachliches Gesamtkunstwerk, eine intelligent-anspruchsvolle Text-Ton-Symbiose.Aneka Schult

Von Aneka Schult