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Celle Stadt Orgelkonzert XL in der Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Orgelkonzert XL in der Celler Stadtkirche
15:09 19.05.2014
Mario Hospach-Martini und Professor Stefan Johannes Bleicher spielten in der Celler Stadtkirche die gesamten Leipziger Orgelchoräle von Johann Sebastian Bach. Quelle: Benjamin Westhoff
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Wer sagt eigentlich, dass Orgelkonzerte immer auf die gleiche Weise ablaufen müssen: Das Publikum sucht schweigend ihre Plätze auf im dunklen Kirchenschiff, irgendwann beginnt ein Organist ungefähr eine pausenlose Stunde Orgel zu spielen, danach Applaus und vielleicht eine Zugabe und schließlich gehen alle wieder ihre Wege. Dass diese Form des Konzerts nicht mehr als einzige praktiziert werden kann, das haben inzwischen viele Konzertveranstalter gemerkt, allerdings noch zu wenige im Bereich der Kirchenmusik.Die Stadtkirche Celle sucht nun auch mit neuen Konzertformen ein erweitertes Publikum, das den Klängen ihrer hörenswerten Barockorgel lauschen möchte. Und hat nun ein Format angeboten, das man als „Orgelkonzert XL“ bezeichnen könnte. Mit Stefan Johannes Bleicher und Mario Hospach-Martini hatte man für Sonntag gleich zwei Organisten eingeladen, die die gesamten Leipziger Orgelchoräle von Johann Sebastian Bach gespielt haben. Damit hatte man als Zuhörer die seltene Gelegenheit diese Gipfelwerke choralbezogener Orgelkunst im Zusammenhang zu hören. Da ein solches Konzert zwangsläufig zeitlich den üblichen Rahmen sprengen würde, hat man sich entschieden, nicht nur das Konzert in zwei Hälften zu teilen, sondern vor jeder Hälfte noch eine kurze Einführung zu geben und in der Pause dem Publikum die Möglichkeit zu bieten, mit anderen Mithörern, dem Veranstalter oder den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Dieses zweigeteilte und zweistündige Konzertformat war rundum gelungen. Jedoch konnte man keine neuen Zuhörer gewinnen, da man die andere Konzertform im Vorfeld nicht bekanntgemacht hatte.Das Konzert selbst hinterließ vielfältige Eindrücke. Es war, faszinierend, diese Meisterwerke am Stück zu hören. Zudem erwies sich, dass beide Organisten an der farbenreichen Celler Barockorgel wunderbar zu registrieren wussten. Während Bleicher besonders schön mit Einzelstimmen umzugehen verstand, faszinierte bei Hospach-Martini mehr, wie er Zungenstimmen einsetzte und wie er mit dem Organo-Pleno-Klang dieser Orgel umging.Weniger gelungen war, dass beide Organisten bei den schnelleren Stücken zumeist zu vorsichtig zur Sache gingen, was insbesondere beim Trio „Nun komm der Heiden Heiland“ und der anschließend arg schleppend vorgetragenen weiteren Bearbeitung des gleichen Chorals wenig glücklich wirkte. Dazu kam, dass Hospach-Martini mit der Unsitte zu starker Betonungen des jeweils ersten Tons von Viertongruppen, der inneren Bewegung dieser Musik die Dynamik raubte. Dem insgesamt sehr positiven Eindruck tat dies aber keinen Abbruch.

Von Reinald Hanke