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Celle Stadt Pago Balke teilt Spitzen in alle Richtungen aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pago Balke teilt Spitzen in alle Richtungen aus
18:28 09.02.2014
Pago Balke schlüpfte bei seinem Auftritt in unzählige Rollen. Quelle: Peter Bierschwale
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In dem Programm „Die TierTorTour“ des Bremer Kabarettisten Pago Balke drehte sich alles um die „Fleischeslust“. Vordergründig gab sich Balke dem Fleischverzehr gewogen, teilte aber bissige Spitzen in alle Richtungen aus. Mit bösem Humor karikierte er die selbstgewissen Positionen der Fleischesser, aber auch die der Vegetarier. Das Publikum in Kunst & Bühne honorierte das mitreißende und vielschichtige Rollenspiel Balkes mit viel Applaus.

Die Hauptfigur des Programms bildete der Agrar-Lobbyist Gerd Glüsing von der „Fleischerzeugung Sektion Diepholz“, der über die Medien zeterte, die den Bürgern „die Fleischeslust verderben“ wollten. Doch diese Figur bildete nur den Rahmen.

Immer wieder wechselte Balke die Bekleidung und schlüpfte in einander widersprechende Rollen, ob in den tierliebenden Vertreter eines Gnadenhofs oder den „Stecher“ eines Schlachthofs, der den Tieren die Kehle durchschneidet. Das Programm lebte nicht nur von den unterhaltsamen Plaudereien und frontalen Argumentationen Balkes, er hatte mit Thomas Krizsan auch einen guten Pianisten mitgebracht, der nebenbei auch noch den Gegenpart als vegetarischer Tierfreund übernahm. Trotz seiner sonoren Männerstimme konnte Balke bei manchen Liedern erstaunliche Höhen mit einem kräftigen Vibrato erklimmen, dann klang sein Gesang wie der einer Frau.

Ohne moralischen Zeigefinger präsentierte der Kabarettist ein großes Blechtablett mit einer Vielzahl von verschiedenen kleinen Spielzeugtieren. Was man hier an Kühen, Schweinen und Hühnern sehe, sei das, was der Bundesbürger jährlich an Tieren verzehre. In einem Seitenhieb lästerte Balke nebenbei über seinen gebeutelten Heimatverein Werder Bremen und dessen Sponsor: Da würden elf grün-weiße Hühner ziemlich aufgescheucht über den Wiesenhof laufen.

„Die einen Tiere essen wir gerne, die anderen streicheln wir“, meinte Balke. Das sei das „Fleischparadoxon“. Mit einer großen Handpuppe, die ein Huhn darstellte, führe er ein anrührendes Gespräch über die Bedingungen in der Massentierhaltung. Nein, es sei nicht für die Freilandhaltung, erklärte das Huhn, da entstehe immer so ein Gedrängel am Ausgang. Aber, meinte Balke, auch die Leute, die ihr Fleisch auf Bio-Höfen kaufen würden, sollten sich klarmachen: „Totgestreichelt werden die Tiere da auch nicht.“

Von Peter Bierschwale