Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Paten für Kinder psychisch kranker Eltern in Celle gesucht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Paten für Kinder psychisch kranker Eltern in Celle gesucht
17:01 01.04.2016
Celle Stadt

Etwa drei bis vier Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf.

Aus diesem Grund hat sich der Landkreis Celle bereits 2008 dieser Problematik angenommen. Um betroffenen Kindern wirkungsvoll und niedrigschwellig helfen zu können, wurde die Einrichtung von Patenfamilien für Kinder psychisch hoch belasteter und erkrankter Eltern beschlossen.

Christa Pahls-Korzonnek vom Celler Jugendamt hat mit dem Projekt positive Erfahrungen gemacht: „Die bisherigen Patenschaften zeigen, dass sich psychisch erkrankte Elternteile und ihre Kinder entlastet fühlen und die Situation positiv bewerten.“ Im Landkreis sei das Projekt mit 20 Patenfamilien schon sehr gut angelaufen, aber in der Stadt suche man noch händeringend nach Freiwilligen, so Pahls-Korzonnek.

Für Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil leben, bestehen laut Jugendamt wesentliche Risikofaktoren: gesellschaftliche Isolation zum Beispiel, da die Eltern bei der Inanspruchnahme öffentlicher Hilfen zurückhaltend sind. Sie haben Angst vor Eingriffen des Jugendamtes in das familiäre Leben. Betroffene Kinder sind verunsichert und fühlen sich verantwortlich für den erkrankten Elternteil. Die durch eine Erkrankung oft eingeschränkte Eltern-Kind-Beziehung wirkt sich negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen aus. Nur selten haben sie jemanden, der ihre schwierige Situation und ihre psychische Not erkennt. Gerade die noch nicht schulpflichtigen Kinder sind auf die Sensibilität nahestehender Erwachsener angewiesen, weil sie noch keinen direkten, selbstständigen Zugang zu institutionellen Hilfsangeboten haben.

Laut Pahls-Korzonnek sollen die Patenschaften langfristig angelegt sein. „Wir haben jetzt eine Patenschaft nach fünf Jahren beendet, weil der Junge 17 geworden ist“, sagt die Beamtin. Mögliche Paten bräuchten keine spezielle pädagogische Ausbildung: „Da geht es um ganz normale Sachen, wie Kuchen backen oder bei den Hausaufgaben helfen“, sagt sie.

Von Alexander Hänjes