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Celle Stadt Paul Rodriguez-Pons ist in Celle zuhause – doch bei der WM jubelt er nur für Argentinien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Paul Rodriguez-Pons ist in Celle zuhause – doch bei der WM jubelt er nur für Argentinien
21:30 11.07.2014
Während Paul Rodriguez Pons, Celler mit argentinischen Wurzeln, ausschließlich - für Messi & Co. die Daumen drückt, ist seine Tochter Melody zwiegespalten. - Die 20-Jährige ist Deutschland-Fan, will aber auch nicht, dass ihr Papa traurig ist. Quelle: Alex Sorokin
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Argentinien am 25. Juni 1978: Die Straßen sind voller Menschen, alle jubeln und singen. „La albiceleste“ hat es geschafft: Die Fußballnationalmannschaft ist Weltmeister geworden und das im eigenen Land. Die Argentinier strömen aus ihren Häusern und feiern bis tief in die Nacht. Darunter ist auch der damals 14-jährige Paul Rodriguez-Pons. „Das ganze Land hat damals gefeiert. Seitdem schlägt mein Herz nur noch für den argentinischen Fußball“, sagt der 50-Jährige heute.

Noch zwei Wochen vor dem Finalspiel damals in Buenos Aires hatte seine deutsche Mutter die Hoffnung, ihren Sohn doch für ihre Mannschaft begeistern zu können. Sie sahen sich gemeinsam das Spiel der Bundesrepublik gegen Österreich an, das als „Schmach von Córdoba“ in die Geschichte einging. Deutschland verlor 3:2 gegen Österreich und einem kleinen Deutsch-Argentinier wurde klar: Das ist nicht mein Team. Als dann auch noch Argentinien den Weltpokal holte, war es um ihn geschehen.

Bis zu seinem 20. Lebensjahr lebte Rodriguez-Pons in Argentinien, dann zog es ihn nach Deutschland. Ein Jahr später holte er seine Ehefrau nach. „Wir sind hier zuhause“, sagt der Vater von zwei Töchtern, doch „beim Fußball bin ich hunderprozentiger Argentinier – und in Argentinien geht nichts über Fußball“, so Rodriguez-Pons, dessen Vater Argentinier ist. Für ihn und seine Frau gibt es deswegen keine Kompromisse, sie sind für die Himmelblauen.

Tochter Melody Rodriguez-Pons teilt die Leidenschaft ihrer Elten nicht ganz. „Ich bin für Deutschland. Aber wenn Argentinien verliert, bin ich auch ein bisschen traurig, weil es meinem Vater so wichtig ist“, sagt die Biologiestudentin. Doch größere familiäre Konflikte sind nicht zu erwarten, die 20-Jährige guckt das WM-Finale in ihrem Studienort Köln und Ehepaar Rodriguez-Pons feuert auf dem heimischen Sofa an. „Es ist besser, wenn dann keiner dabei ist, der für Deutschland ist. Wir sind da abergläubisch“, sagt der Familienvater mit einem Augenzwinkern.

Wegen seines Aberglaubens bleibt das Paar auch in Deutschland. „Wir sind 1986 Weltmeister geworden. Ich habe während des Endspiels in einem Steakhouse in Köln gearbeitet und habe den Abpfiff gefeiert, doch außer meiner Frau hat keiner mit mir gejubelt“, erinnert sich der Kellner. Das sei einer der zugleich glücklichsten und traurigsten Tage seines Lebens gewesen, sagt er.

1990 verfolgte das Paar das Endspiel dann in Argentinien, um nicht noch einmal einen Titel alleine feiern zu müssen. Nachdem seine Mannschaft damals aber gegen Deutschland verlor, war er zwar stolz auf sie, doch seitdem verfolgt er die Weltmeisterschaften lieber hier. Das hat ja schließlich schon einmal geklappt. Dafür nimmt er es auch hin, beim Sieg fast alleine zu jubeln. „Ich schwenke dann trotzdem meine Fahne durch die Celler Innenstadt“, sagt der Fußball-Fanatiker, der glaubt, ein Sieg gegen Deutschland werde schwierig.

„Aber ein Ass haben wir ja noch“, meint er, „der Papst ist Argentinier und Fußballfan. Euer Papst wollte ja nicht bis zum Finale warten“, sagt er mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Weder der „pensionierte“ Papst Benedikt XVI. noch Franziskus, der Mitglied beim argentinischen Hauptstadtverein San Lorenzo ist, haben sich zum Finale geäußert. „Sie sagen immer, der Bessere möge gewinnen“, so Vatikansprecher Federico Lombardi.

Von Johanna Müller