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Celle Stadt „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ ab Freitag in der Kleinen Residenzhalle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ ab Freitag in der Kleinen Residenzhalle
13:23 16.03.2012
Petra Friedrich spielt in Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Ein schöner Abend soll es werden: Frank, Oberarzt an einer Uniklinik, und seine Frau Liz haben Carol und Martin eingeladen, die zwischenzeitlich als Mediziner in Afrika tätig waren. Doch die sechsjährige Pause ist der Freundschaft nicht gut bekommen – das Treffen endet im Desaster. Ein böses Kammerspiel steht ins Haus, wenn Roland Schimmelpfennigs Stück „Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes“ am kommenden Freitag in der Kleinen Residenzhalle Premiere hat.

Der zurzeit sehr angesagte Autor hat den Text für das Luminato Festival im kanadischen Toronto geschrieben; die Vorgabe lautete, das Verhältnis zwischen Arm und Reich, Afrika und dem Westen auszuloten. Der thematische Bogen des Stücks ist allerdings weiter gesteckt. So geht es auch um Entfremdung zwischen Freunden, nach und nach werden zudem Risse in den Paarbeziehungen sichtbar. Und sind Carol und Martin tatsächlich solche Gutmenschen, wie es zunächst den Anschein hat?

„Alle vier sind sehr widersprüchliche Persönlichkeiten“, betont Regisseur Nico Dietrich, der zum ersten Mal in Celle inszeniert. „Ein weiterer Aspekt ist, dass die Figuren Menschen um die 40 sind, die ihre einstigen Lebensentwürfe mit der jetzigen Realität vergleichen und dabei wohl auf Widersprüche stoßen.“ Für Petra Friedrich, Darstellerin der Liz, steht das Thema Afrika nicht einmal im Vordergrund: „Es ist mehr der Aufhänger, durch den die inneren Probleme der Figuren sichtbar werden.“

Der Stücktext erinnert deutlich an Vorbilder wie Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza. Ein Hauptunterschied liegt in einem Verfremdungseffekt, den Schimmelpfennig gern verwendet: In Vorblenden treten einzelne Figuren aus dem Geschehen heraus und kommentieren im Nachhinein, wodurch es zu Wiederholungen mancher Ereignisse kommt. Wie löst man das formal – Lichtinseln würden wohl schnell langweilig wirken? „Wir wollen so wenig wie möglich technische Tricks einsetzen“, bestätigt Regisseur Dietrich, „und haben kaum Requisiten. Das Bühnenbild soll dem Publikum das Gefühl geben, nah dran zu sein. Und wenn eine Szene mehrfach auftaucht, soll der Besucher sie immer aus einer anderen Perspektive sehen. Zurzeit probieren wir da noch verschiedene Varianten aus.“

Interessant ist die Frage, wo sich das Geschehen abspielt. Laut Autor „in irgendeiner Universitätsstadt der westlichen Welt“, doch verweisen die Namen Liz und Carol auf ein angloamerikanisches Umfeld. „Es gibt Fassungen, in denen daraus Elisabeth und Carola wurden“, erläutert Dietrich, „aber mir gefällt ein bisschen Distanz ganz gut. Ich fände es unangebracht, das Stück etwa in Celle spielen zu lassen.“

Kommen der Schauspielerin Petra Friedrich die dargestellten Situationen bekannt vor? „Doch, manches kennt man schon. Wenn bei einem Treffen etwa peinliche Situationen entstehen und man die krampfhaft mit irgendwelchen Witzchen zu überspielen versucht.“ Ihrer Figur kann die Darstellerin besondere Nuancen abgewinnen: „Ich glaube, sie ist diejenige, der im Laufe der Handlung am meisten klar wird.“

Ach ja: Warum in der Besetzungsliste keine Peggy Pickit auftaucht? Nun, die Titelfigur ist eine Puppe – und wer wissen will, was das zu bedeuten hat, sucht am besten die Kleine Residenzhalle auf.

Von Jörg Worat