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Celle Stadt Pikante Details aus dem Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pikante Details aus dem Celler Schloss
16:41 26.06.2016
Schlossführung: Liebe, Lust und Leid Quelle: Alex Sorokin (2)
Celle Stadt

Man darf sich vorstellen: „Ernestine von Hornbostel“, über 40 Jahre zu Diensten der Herzoglichen Herrschaft, sowie „Dieter von Elding“, seines Zeichens Hofkavalier – im Barock die generelle Bezeichnung für adlige Männer mit „ritterlichen Tugenden“ und „Beschützer der Damen“. Gemeinsam versuchen sie, der Besucherschar im Schloss den ehemaligen Alltag und die speziellen Vorkommnisse zu Zeiten des letzten Herzogs, Georg Wilhelm, näherzubringen – denn auch für sie sind die Tage, in denen in Celle noch großartig Hof gehalten wurde, vorbei.

Der Rundgang startet, wie es für den Empfang erlauchter Gäste üblich war, in der „Bel Etage“ im ersten Stock. Im „Antichambre“, vornehm für Vorzimmer oder Warteraum, standen – wie einst die auserwählten Geladenen, Befohlenen und Bittsteller – heute die Führungsteilnehmer, um sich, grob skizziert, ein erstes Bild von der herzoglichen Familie geben zu lassen: die vier Söhne des welfischen Georg von Calenberg. Ein paar Schritte weiter – in Filzpantinen übers Parkett – schlossen sich im prachtvoll rotgewandetem Audienzzimmer Herzog Georg Wilhelms die außergewöhnlichen Geschichten vom sogenannten „Brauttausch“ – die Abtretung der Versprochenen Sophie von der Pfalz an seinen jüngsten Bruder Ernst August – und vom frühen Tod des ältesten Bruders (Christian Ludwig) und der damit verbundenen Herzogwürde von Braunschweig-Lüneburg an sowie die ungewöhnliche Liebesgeschichte des geschworenen Junggesellen mit Eléonore d'Olbreuse.

Im Parade-Schlafzimmer von herzoglichem Blau - das Himmelbett geschickt in eine Nische gebaut - erfährt man mehr über die Hugenottin: Als „Frau von Harburg“ 1665 dem Hof vorgestellt, schloss der Celler Herzog mit der begehrenswerten französischen Landadeligen eine „Gewissensehe“, bis er sie schließlich, zur „Gräfin von Harburg und Wilhelmsburg“ ernannt, nach vielen Verhandlungen und vertraglichen Abschlüssen, 1676 standesgemäß heiraten durfte.

1666 schon war ihr einziges Kind Sophie Dorothea geboren worden (1674 durch einen Gnadenakt des Kaisers Leopold I. legitimiert). Zur Stärkung der Dynastie wurde sie als Sechzehnjährige mit ihrem ungeliebten Cousin Georg Ludwig verheiratet – eine unglückliche Verbindung von Anfang an, die für die Prinzessin, nach der tragischen Liebesbeziehung zu Graf Philipp von Königsmarck und dessen Ermordung, in ihrer schuldigen Scheidung und lebenslangen Verbannung in Ahlden endete.

Von Liebe, Lust und Leid hatte Ernestine von Hornbostel aber nicht nur, was die welfische Chronik betrifft, zu berichten. Ihr Zeitpor-trait erlaubte auch einen Blick auf das süße Leben der Herrschaften mit sogar offiziellen Maitressen, dem Spaß am Glücksspiel mit oft gewagten Einsätzen und dem alltäglichen Leiden, selbst der Adligen im barocken Zeitalter, unter Flöhen und Läusen aus seltsamer Hygieneauffassung – Puder und Parfum statt Wasser und Seife.

Von Doris Hennies