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Celle Stadt Podiumsdiskussion "Meine Zukunft" am Celler HBG trifft nicht ins Ziel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Podiumsdiskussion "Meine Zukunft" am Celler HBG trifft nicht ins Ziel
16:01 28.04.2016
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Zahlreiche Hochschulen, die Industrie- und Handelskammer, Polizei, Bundeswehr sowie Vertreter örtlicher Unternehmen standen bereit, um in Workshops, Vorträgen und einer Podiumsdiskussion zu informieren über Wege in den Beruf einerseits und den Arbeitsalltag andererseits. Das Wissen um die Praxis ganz unmittelbar weiterzugeben, ist das, was die Veranstaltung ausmachen soll. Eine Plattform für dieses Prinzip bietet der als Podiumsdiskussion angekündigte Programmpunkt „Meine Zukunft – Einblicke zur Entscheidungsfindung“. Deutet man die Gesichter in der bis auf den letzten Platz besetzten Sporthalle des HBG, ist das Interesse an der Zukunftsgestaltung nicht allzu groß. Das liegt nicht an den Schülern, sondern am gut gemeinten, aber nicht wirklich ausgereiften Konzept der Diskussion, die eigentlich gar keine ist.

Mit Peter Fehlhaber (Celleheute), Holger Koch (Achilles), Sönke Krüger (Sparkasse), Martin Abenhausen (Abenhausen) und Niels Führer (Onesubsea) berichten fünf Vertreter ortsansässiger Unternehmen über ihre jeweiligen beruflichen Werdegänge, stellen ihre Betriebe vor und bewerben sie teilweise heftig. Jeder liefert seine kleine Performance, versucht sich teilweise in der Jugendsprache, aber auch das täuscht nicht darüber hinweg, dass ihre Lebenswelt Galaxien entfernt ist von der ihres Publikums.

Den schwierigsten Job des Vormittags hat Pauline Andrae, die im Namen ihrer Altersgenossen als Moderatorin Fragen stellt. Sie macht dies erstaunlich professionell. Ob das gewählte Profil in der Oberstufe Einfluss habe auf die Einstellung von Bewerbern oder wie hoch die Bedeutung des schulischen Abschlusses für den Einstieg ins Berufsleben sei, fragt sie zum Beispiel. Zur Seite steht ihr als Moderator Andreas Mätzold von der Stiftung Metall. Von ihm als Profi hätte man eine Gliederung in Blöcke erwartet.

Aber die Aussage eines Podiumsteilnehmers „auf seinen Bauch hören und handeln“ ist bei den Interviews Programm, es gibt keinen roten Faden. Aus den Antworten ergeben sich wiederum keine allgemeingültigen Schlüsse, die Berufswege der Firmenvertreter sind sehr unterschiedlich, das Thema Beruf ist so vielfältig und komplex, dass bis auf Binsenweisheiten wie „Man muss das machen, was einem Spaß macht“ oder „Man kann auch ohne Studium Karriere machen“ wenig wirklich Informatives dabei herauskommt. Nico Eich (17) ist sehr interessiert in die Veranstaltung hineingegangen, in den hinteren Reihen versteht er nicht alles, denn mit der Technik hapert es, daher setzt er sich bewusst nach vorne. Er ist dankbar für den handfesten Hinweis von Holger Koch, dass es wichtig sei, ob die Bewerber schon über einen Führerschein verfügen oder nicht. „Das war neu für mich“, kommentiert Nico. Die des Moderators Mätzold, welchen Hobbys die fünf Herren nachgingen, lässt die Gesichter im Auditorium noch ein bisschen gelangweilter aussehen.

Es wird unruhig in der Halle. Erneut versucht es Mätzold mit der Aufforderung ans Publikum, Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen, zu stellen. „Wird ein schlechtes Abitur höher eingeschätzt als ein sehr guter Realschulabschluss?“, möchte ein junger Mann wissen. „Die Persönlichkeit entscheidet“, sind sich die Firmenvertreter einig. Damit erschöpft sich die Neugierde aus der Schülerschaft, weitere Fragen gibt es nicht. Haben sie denn Einblicke in die Berufswelt für ihre Entscheidungsfindung nehmen können? Die Bitte um ein solches Résumé scheint die Schüler zu überraschen. Das war nicht wirklich ihre Erwartungshaltung. „Das ist hier eben eine Schulaktion, freiwillig würde hier keiner hingehen“, lautet eine Antwort. Damit ist nur die Podiumsdiskussion gemeint. Eventuell gewähren die weiteren Programmpunkte des Tages die Einblicke, die hier nicht gewonnen werden konnten.

Von Anke Schlicht