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Celle Stadt „Poetry Slam 50+“: Raus aus der Schublade – rein ins Ohr!
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Poetry Slam 50+“: Raus aus der Schublade – rein ins Ohr!
14:19 29.09.2016
Celle Stadt

Zum Sieger müssen sie jedoch niemanden küren, hier weicht man ab vom eigentlichen Poetry Slam, der ein Wettstreit um den besten vorgetragenen Text mit selbstdarstellerischen Elementen in vorgegebener Zeit ist.

Das Bühnengeschehen im Mehrgenerationenhaus ist vom schnellen Wechsel der Lesenden bestimmt, bis zu fünf Minuten stehen den 14 teilnehmenden Autoren zur Verfügung. Moderatorin Sabine Hantzko muss niemandem das Wort abschneiden, eher im Gegenteil: „Es ist noch Zeit über, es kann noch vorgetragen werden“, animiert sie wiederholt. Scheu, sich zu präsentieren, haben die Schreibbegeisterten nicht, auch der Jüngsten im Bunde, der 23-jährigen Annemarie Imming, merkt man das Lampenfieber, das ihrem Text den Namen gab, nicht an.

Etliche Teilnehmer sind Mitglieder der Schreibwerkstatt der Volkshochschule und an Leseabende gewöhnt. Arnd Habenicht füllt gerne entstehende Lücken mit Zeilen wie „Hier verdampft mich Gottes Sonne…“ aus „Die Wolke am Sambesi“, Wilma Hein erinnert sich mit Sätzen wie „Damals als wir Kinder waren“, oder „Eine Zukunft, gab es die?“ an die harten Nachkriegsjahre. Hella Lach beschreibt ihre Freundin Margot und Jürgen Heitmann hat sich der „Bunten Vogels“ der Residenzstadt auf Plattdeutsch angenommen.

Die in Lyrik oder Prosa verpackten Themen sind sehr bunt, manche leicht und unterhaltsam, andere eher nachdenklich. Die Inhalte treten in den Hintergrund vor dem Spaß an der Sache. Hier finden sich Menschen zusammen, die ihre Begeisterung für das geschriebene Wort eint. Im stillen Kämmerlein verfassen sie ihre Texte, in Veranstaltungen wie diesen – völlig ungeachtet wie sie betitelt sind – finden sie eine Bühne, um sich anderen mitzuteilen.

Von Anke Schlicht