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Celle Stadt Poetry Slam: „Angeprangert!“ in Celles Kunst & Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Poetry Slam: „Angeprangert!“ in Celles Kunst & Bühne
16:41 22.12.2016
Celle Stadt

Im Lauf dieses Jahres hat sich „Angeprangert!“ zu einer regelrechten Slam-Institution in Celle entwickelt. Das war natürlich zuallererst das Verdienst der Organisatoren, des Cellers Lucas Rosenbaum und der Berlinerin Jessy James LaFleur, die die Veranstaltungen auch moderierte. Fast alle Slammer boten hohen Unterhaltungswert, ob mit kritischen oder komischen Texten, und das aufmerksame wie begeisterungsfähige Publikum war ein Garant für eine tolle Stimmung in Kunst & Bühne.

Für das Jahresfinale hatte LaFleur sieben der Slammer eingeladen, die auf einer der vorausgegangenen Veranstaltungen vom Publikum zu Siegern erklärt worden waren, darunter auch die Celler Alina Stechert, Matti Linke und Elena Wolters.

Alina Stecher ging in ihrem Text „Der Zaum steht noch“ auf den Widerspruch ein, Kindern in Geschichten vom Freiheitskampf solcher Figuren wie „Nemo“ oder „Rapunzel“ zu erzählen, sie aber dennoch hinter den Zäunen von Kindergärten oder Schulen wegzusperren: „Du bist noch zu klein für die Freiheit!“

In seinem nachdenklichen Gedicht stellte Linke dann die Frage, ob man nicht nur dann glücklich werden könne, wenn man die eine oder andere Frage in einer Beziehung ausblende. Und ein wenig romantisch wurde er auch: „Aber ich möchte nicht für immer leben, sondern eigentlich nur für dich!“

Elena Wolters schließlich hatte einen philosophischen Text geschrieben: „Philosophie ist schön. Ich gebe ihm gerne frei, meinem Geist.“ Dafür lasse ihr Geist ihr die Melancholie.

Moderation LaFleur und „Zahlenfee“ Helge führten die Jury und das Publikum engagiert und mit ironischen Untertönen durch das Programm, doch nach Addition der Punkte reichte es diesmal bei den Cellern nicht für eine Teilnahme am Finale: Das bestritten Victoria Bergemann aus Hamburg, Lippi Punkstrumpf aus Bremen sowie der Chemnitzer Tommy Sanssouci, der mittlerweile in Graz lebt.

Bergemann hatte in einem feministisch begonnenen, aber schließlich chaotischen Rundumschlag alle in die Pfanne gehauen – Frauen, Männer Kinder: „Ich hasse solche Männer, die sagen, sie seien keine solchen Männer!“ Tommy Sanssouci faszinierte in seinem Text „Die Würde des Menschen ist aus“ mit einer Kombination aus Ernsthaftigkeit und kabarettistischen Elementen. Da fand sich dann dieser Gedanke: „Meinungsfreiheit ist keine Narrenfreiheit!“

Die Intensität des Publikums-Applauses für die drei Finalisten war kaum zu unterscheiden. Schließlich wurde Victoria Bergemann knapp zur Siegerin des Abends gekürt. Die Reihe „Angeprangert!“ soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Von Peter Bierschwale