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Celle Stadt Poetry-Slammerin aus Celle: "Meine Texte sind wie Schnappschüsse"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Poetry-Slammerin aus Celle: "Meine Texte sind wie Schnappschüsse"
18:23 20.09.2017
Die 18-jährige Laura Trautsch vertritt Celle bei den U20-Landesmeisterschaften im Poetry-Slam am Wochenende in "Kunst & Bühne". Quelle: Stefan Zutz
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Kurz bevor Laura Trautsch auf einer Bühne steht, ist das für sie jedes Mal ein einziges Auf und Ab der Gefühle. "Das ist so, als würde ich mich selbst von einer Klippe werfen", erklärt die Poetry-Slammerin. Aber genau darum geht es ihr, denn sobald die 18–Jährige anfängt zu reden, ist sie voll in ihrem Element und die anfängliche Panik ist verschwunden. In diesem Moment sind alle Augen auf sie gerichtet und sie weiß, dass sie sich die Zeit nehmen kann, die sie braucht, um ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Auch dieses Wochenende ist das wieder der Fall. Bei den U20-Landesmeisterschaften im Poetry Slam, wird sie dieses Jahr die Celler Slam-Szene vertreten.

Anfangs hatte sie gar nicht die Intention, ihre Texte auf einer Bühne vorzutragen: "Ich habe eigentlich nur für mich selbst geschrieben, über alles was mich berührt und beschäftigt hat. Das ist ein bisschen wie Therapie für mich", meint die Cellerin. Wenn sie einen Text schreibt, dann kommt er ganz tief aus ihrem Innersten. Sie versucht ihre Gefühle bestmöglich mit Worten einzufangen.

"Ich finde es so bewundernswert, wenn andere über Themen wie Politik oder Umwelt schreiben, aber mir liegt das gar nicht. Meine Texte sind eher wie Schnappschüsse oder Momentaufnahmen", betont Laura. Egal, ob es ein emotionaler Film, gute Musik oder eine Situation des Alltags ist – wenn sie etwas berührt, dann schreibt sie es sofort auf. Erst danach geht es bei ihr um die Frage, ob und wie daraus ein wirklich guter Slam–Text werden kann.

Mittlerweile ist Poetry-Slam ein wichtiger Teil von ihr geworden. Hier trifft sie viele neue Menschen, die ganz offen über die Themen sprechen, die sie bewegen. Für sie ist es immer wieder spannend zu sehen, welche Themen andere Menschen so berühren, dass sie darüber schreiben. "Ich finde es großartig, wie viel Toleranz, einem beim Poetry-Slam entgegen gebracht wird. Das Publikum bewertet deine Texte und nicht deine Person", erklärt die künftiger Studentin.

Bis jetzt hält sich die Aufregung vor Samstag noch in Grenzen. Im Vordergrund steht bei ihr nicht unbedingt das Gewinnen, sondern der Austausch mit anderen Slammern, die ihre Leidenschaft teilen. "Ich selbst stehe ja nur sechs Minuten auf der Bühne. Die Auftritte der anderen Kandidaten sind für mich noch viel spannender", stellt Laura fest.

Welchen Text sie präsentieren wird, weiß sie selbst noch nicht genau. Sie hat momentan mehrere Ideen im Kopf. Wofür sie sich spontan entscheiden wird, hören wir dann am Samstag.

Egal, wie sie bei den Meisterschaften abschneiden wird, für Laura ist noch lange nicht Schluss mit Poetry-Slam. Im Oktober zieht sie zum Studium nach Berlin. Dort ist sie mit ihren Texten bestens aufgehoben, denn die Landeshauptstadt ist eine richtige "Goldgrube" für Slammer.

Von Lisa Felgendreff