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Celle Stadt Pointen im Minutentakt in Celler CD-Kaserne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pointen im Minutentakt in Celler CD-Kaserne
21:48 10.04.2016
Geistreich und witzig: Die „Leipziger Pfeffermühle“ nimmt die bundesdeutsche Wirklichkeit ins kabarettistische Visier. Quelle: Benjamin Westhoff
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„Alles begann damit, dass der Himmel nicht mehr voller Geigen hing“, sagen die drei Kabarettisten der „Leipziger Pfeffermühle“. Gott, der keineswegs mehr nur der „liebe Gott“ sei, zweifle an den Menschen, habe durch Kriege, Blut und Kreuzzüge die Lust verloren und sei Atheist geworden. Da hätte es nicht einmal mehr was genutzt, dass er zur Strafe für alle Ärzte den Kassenpatienten geschaffen hätte. Und weil die Menschen eh machten, was sie wollten, sei es endlich an der Zeit, dass er für die Zeit seiner Abwesenheit in der Reha den „Himmlischen Öffentlichen Dienst“ geschaffen hat, mit der Aufgabe, sich um das Geschehen auf der Erde Gedanken zu machen.

„Drei Engel für Deutschland Teil 2 – Schröpfungsgeschichte“ nennen Dieter Richter, Manja Kloss und Rainer Koschorz ihr turbulentes Programm. Rund zwei Stunden lang unterhalten sie damit bestens gelaunt und hoch engagiert in kurzen Szenen voller Temperament und Tempo ihr Publikum. Mit Pointen im Minutentakt nehmen sie in wechselnden Rollen alles aufs Korn, was sich in diesem Genre nur irgendwie anbietet – geistreich, witzig, immer mit einem sympathischen Augenzwinkern und ohne zu verletzen. Ihr Humor pendelt ständig zwischen rau und samtig und pflegt ein angenehmes Niveau.

Da machte es Spaß, dabei zuzusehen, wenn sich die „drei Engel“ darum bemühen, in „religionsberuhigten Zonen“ Beleidigungen durch Verkehrsschilder zu vermeiden, wenn sie mit angenehmen Stimmen die besonderen Gegebenheiten bei Billigflügen besingen oder in einem „Fleischerei-Rap“ die Veganer aufs Korn nehmen. „Hau den Gabriel eene rin“, ermuntert der Personal-Trainer seine Boxerin Angela Merkel, die für eine Steigerung durchaus zu haben ist: Bei Putin als Gegner gerät sie völlig außer Rand und Band. Und wenn Frauke Petry mit dem Reichskanzler von damals in „brauner Brühe“ ein Wannenbad nimmt, dann wird die Situation schon mal so richtig „pfeffrig“.

Gekonnt nimmt die „Leipziger Pfeffermühle“ die politische, soziale und kulturelle bundesdeutsche Wirklichkeit nahezu komplett ins kabarettistische Visier. Die drei Engel auf der Bühne erklären sich die Geschehnisse auf der Welt gegenseitig, schlüpfen in verschiedene Rollen und werten die irdische Situation auf ihre Weise. Das Publikum hat seine uneingeschränkte Freude daran. Ein Wechselbad der Gefühle, ebenso geistreich wie humorergiebig. Beifall und Jubel am Schluss.

Von Hartmut Jakubowsky