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Celle Stadt Pointiert modelliert, witzig analysiert, frisch musiziert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pointiert modelliert, witzig analysiert, frisch musiziert
15:15 24.02.2010
Die Hengstmann-Brüder mit politisch-satirischem Kabarett „gegen()Sätze“ in Kunst & Bühne: Sebastian (links) und Tobias Hengstmann. Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Sebastian und Tobias Hengstmann entstammen einer Magdeburger Kabarettdynastie. Großvater Erich Hengstmann hatte zu DDR-Zeiten das erste Kinderkabarett gegründet. Vater Frank Hengstmann, der seit rund 45 Jahren zur Magdeburger Kabarett-Szene gehört, führte im aktuellen Stück seiner Söhne Regie. Die Kabarett-Gene bekamen sie mit in die Wiege gelegt. 2003 standen sie erstmals als Duo auf der Bühne. Seitdem sind die Stücke oft ausverkauft und es hagelt Preise, ob Ostdeutscher Kleinkunstpreis oder Reinheimer Satirelöwe. Überdies betreibt die Familie die eigene Magdeburger Kabarettspielstätte „... nach Hengstmanns“.

Die Brüder wissen also, wovon sie reden. Dennoch wirken ihre Ballwechsel manchmal fast unbedarft. Aber wehe dem, der dahinter kabarettistische Schonkost erwartet. In komischen Dialogen tischen die Brüder gepfefferte Menüs auf. Mimisch spielt vor allem der kleinere Bruder sämtliche Feinheiten der Comedy-Sparte aus. Sein flottes Mundwerk ist kaum zu übertreffen. Den Besuchern kamen vor Lachen die Tränen, als Tobias, rasend vor Wut über nicht erhaltene Mahnbescheide des Finanzamtes, der Entzug quälte. Sebastian konterte als Langhaarhippi, der 28 Semester über der Regelstudienzeit liegt und das Gruppengespräch sucht. Mal parodierte er Thomas Anders von Modern Talking, mal interviewte er Sorgenopa Franz Brantwein. Kaum in letztere Rolle geschlüpft, verzauberte Tobias aufs Neue die Gäste, erst recht als Andi von drüben. Zwischen den einzelnen Szenen schnappten sich die Brüder Bass und Gitarre und stimmten authentische Musikstücke an. Tobias durchlebte den Abend vor allem als Therapie, als Heilung von jenen Krämpfen, die die Erwähnung des Namens Westerwelle bei ihm auslöst. Ähnlich schwer verdaulich ist Merkels „Seifenblasigkeit“. Ihr politischer Weg sei ein „Aus-Versehen“.

Ein scharfsichtiges Gesellschaftsporträt, pointiert modelliert. Mit unverbogenem Witz, schauspielerischem Ulk, sympathischer Echtheit und frischem Geist herbeigespielt.

Termin: Die Hengstmann Brüder sind am 5. März, 20 Uhr, beim Satirefest in Braunschweig zu sehen.

Von Aneka Schult