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Celle Stadt Politik gegen Wildtier-Zirkusse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Politik gegen Wildtier-Zirkusse
14:32 20.09.2013
Von Michael Ende
Herz für Zirkustiere: Vor dem Celler Kreisveterinäramt demonstrierten gestern Mitglieder der Tierschutz-Organisation PETA. Sie wollen erreichen, dass der 38-jährige Schimpanse "Robby", der als letzter Menschenaffe in einem deutschen Zirkus gilt, von der Behörde aus dem "Circus Belly" entfernt und an die renommierte Schimpansenauffang- und Rehabilitationseinrichtung AAP in den Niederlanden übergeben wird. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Durch diesen Reifen, den ihnen das städtische Rechtsamt hingehalten hatte, wollten die Politiker im städtischen Umweltausschuss partout nicht springen: Nach Einschätzung der Verwaltungsexperten hatten nach Prüfung der juristischen Sachlage erklärt, die Stadt Celle habe keine Satzungs- oder Verordnungskompetenz für ein Wildtierverbot für in Celle gastierende Zirkusse, weil dafür der gesetzliche Rahmen fehle: „Beschlüsse des Rates wären rechtswidrig.“ Davon wollten sich die Politiker nicht abhalten lassen – zumindest nicht bis nächste Woche.

FDP-Ratsfraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen hatte beantragt, dass die Stadt Flächen wie etwa auf dem Schützenplatz nur an Zirkusse vergeben solle, die keine Wildtiere präsentieren. Gerade in diesen Tagen hängen Plakate in der Stadt, die dort ein Gastspiel einer Zirkustruppe ankündigen – geworben wird unter anderem mit Tigern, Elefanten und Kamelen in der Manege. Falkenhagen wollte „das Zeichen setzen, dass Celle keine Tierquälerei unterstützt. Wilde Tiere gehören nicht in fahrende Zirkusbetriebe, sie können dort nicht annähernd artgerecht untergebracht werden.“

Damit lief der liberale Tierfreund bei den Politikern im Ausschuss offene Türen ein.“Eine Kommune sollte Tierquälerei nicht dulden“, sagte Bernd Zobel (Grüne), der darauf verwies, dass andere Städte sehr wohl versuchten, Wildtier-Zirkussen keinen Spielraum zu gewähren: „Könnte die Stadt nicht zum Beispiel Vergaberichtlinien für den Schützenplatz festlegen?“ Das könnte sie sehr wohl – allerdings würden derlei Richtlinien auf juristisch tönernen Füßen, stehen, so Ordnungsamtsleiter Edgar Frick: „Solche Richtlinien müssten rechtliche Grundlagen haben – und die gibt das Tierschutzrecht derzeit nicht her.“

„Über diese Situation herrscht hier im Ausschuss allgemeine Unzufriedenheit, aber wir können es wohl nicht verhindern“, sagte Ausschuss-Vorsitzender Heiko Gevers (CDU). „Warum haben wir nicht das Rückgrat und sagen einfach: Nein, wir wollen das nicht?“, fragte Falkenhagen und erntete Kopfnicken in der Runde. „Wenn der Umweltausschuss an der Absicht festhält, Wildtier-Shows in Zirkussen zu untersagen, muss spätestens der Oberbürgermeister in der kommenden in der Verwaltungsausschuss-Sitzung Einspruch einlegen“, sagte Stadtbaurat Matthias Hardinghaus.

Auf dieses Veto ließ es der Auschuss ankommen und stimmte für Falkenhagens Antrag. Gevers: „Die Rechtsbrecher sind hier in der Mehrheit.“ Den Rest solle der „VA machen“. Allen war klar, dass dieses Signal vom Verwaltungsausschuss in der nächsten Woche kassiert werden dürfte. Der Antrag also ein Papier-Tiger? Man könnte auch sagen: „Wenigstens gut gebrüllt, Tiger.“ Michael Ende