Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Polizei: Überstunden-Berg wächst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Polizei: Überstunden-Berg wächst
15:32 18.11.2010
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE. Mord und Totschlag, Ladendiebstähle, Betrügereien, Verkehrssünder, Unfälle, Familien- und Nachbarschaftsstreitigkeiten, geklaute Fahrräder – immer, wenn es Ärger gibt, müssen Celles Polizeibeamte ran. In Stadt und Land – und auch außerhalb ihres Beritts: Dass sie bei Castor-Transporten ununterbrochen Dienst schieben müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. In der normalen Dienstzeit ist das nicht zu schaffen. Kein Wunder also, dass der Überstunden-Berg wächst und wächst – und das, obwohl auch die Kopfstärke der Polizei immer wieder aufgestockt wird.

„Wir sind gerade immer noch dabei, die jüngsten Castor-Überstunden zusammenzurechnen“, sagt Celles Polizeichef Stefan Sengel. Es gebe Kollegen, die 500 Überstunden vor sich her schöben, sagt er: „Gerade in Bezug auf Castor dürfte da aber auch ein finanzieller Ausgleich möglich sein.“ Dass der Überstunden-Anfall an der jetzigen Struktur der Celler Polizei liegen könnte, sieht Sengel nicht: „Wir sind an sich ganz gut aufgestellt.“ Derzeit werde ein Konzept erarbeitet, mit dem im nächsten Jahr ein Überstunden Abbau ohne qualitative Verluste in Angriff genommen werden soll: „Eins kann ich jetzt auch schon garantieren: Wenn jemand die 110 wählt, sind rund um die Uhr genügend Beamte da.“

In dieser Woche hat sich sogar der Landtag mit der Arbeitsbelastung der Celler Beamten beschäftigt. Der Celler SPD-Abgeordnete Rolf Meyer hatte sich bei der Landesregierung erkundigt, ob deren Ansicht nach die Polizei Celle ausreichend Personal habe. Die Zahl der Beamten sei den Umständen vor Ort angepasst, antwortete ihm das Innenministerium und verwies auf die seit 2005 kontiniuierlich wachsende Personalstärke der Polizei. Meyer ist das nicht genug: „2009 hat jeder Beamter im Durchschnitt rund 131 Stunden Überstunden geleistet. Um diese Stunden ausgleichen zu können, müsste jeder über drei Wochen Urlaub nehmen. Die Erhöhung der Zahl der Beamten war dringend notwendig, reicht aber offenkundig nicht aus.“

Dass die Personalverstärkungen der jüngsten Jahre „dringend notwendig“ gewesen seien, kann der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch nur unterschreiben. Und er nennt auch einen der Gründe: „Es ist völlig unbestritten, dass die Einsatzbelastung bei der Polizei Celle wie auch andernorts gestiegen ist und sich diese Mehrbelastung folglich auch auf die Anzahl der Überstunden ausgewirkt hat und noch weiter auswirken wird. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass unter der SPD-Vorgängerregierung über 40 Stellen bei der Polizei Celle – landesweit waren es 800 Stellen – abgebaut wurden.“ Mit der Schaffung von 1000 neuen Stellen habe die jetzige Landesregierung dieser „Fehlentwicklung“ entgegen gesteuert.

Adasch verweist darauf, dass auch auf sein Wirken hin die Celler Polizei 2010 zehn zusätzliche Beamte erhalten habe und außerdem gerade die Wache für 250000 Euro modernisiert werde, was zu einer Effizienzsteigerung führe: „Zu alldem hat Herr Meyer nichts beigetragen.“

Beigetragen habe die SPD hingegen zur zusätzlichen Arbeitsbelastung, sagt Adasch, der an der Castor-Einsatz erinnert: „Auch die SPD hatte zu Demonstrationen aufgerufen. Während mein Celler Fraktionskollege Karl-Heinrich Langspecht und ich die Nähe zur Polizei und den Einsatzkräften der PI Celle gesucht haben, hat unsere SPD-Bundestagskollegin Kirsten Lühmann als Mitglied des Innenausschusses des Deutschen Bundestages derweil Suppe an Demonstranten ausgeteilt. Herrn Meyer als energiepolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion habe ich während meines dreitägigen Aufenthalts im Wendland nicht angetroffen.“

Terror-Alarm: Polizei rät Cellern zur Aufmerksamkeit

Örtliche Ordnungshüter werden vorerst nicht mit Maschinenpistolen durch die Stadt patrouillieren

CELLE. „Ich werde doch nicht überall in der Stadt Beamte mit Maschinenpistolen hinstellen.“ Was auf Flughäfen vielleicht Sinn mache, sei in Celle nicht nötig, sagt Celles Polizeichef Stefan Sengel nach der jüngsten Terror-Warnung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der Minister hatte vor möglichen Anschlägen in nächster Zeit gewarnt, bei denen theoretisch auch Weihnachtsmärkte wie etwa der in Celle ein Ziel sein könnten.

Ein akutes Bedrohungsszenario für die Celler Altstadt gebe es nach Sengels Einschätzung derzeit nicht: „Ich sehe keine konkrete Gefährdung – obwohl man sich da natürlich nie hundertprozentig sicher sein kann.“ Auf die latente Terror-Gefahr habe sich auch die Celler Polizei seit dem Anschlag auf das World Trade Center vorbereitet: „Es gibt Einsatzkonzepte für solche Fälle, und die werden auch immer wieder aktualisiert.“

Seine Beamten würden jetzt erneut „sensibilisiert“, sagt Sengel – und genau das rät er auch der Celler Bevölkerung: „Es gibt keinen Grund jetzt überzureagieren, aber wer meint, etwas irgendwie Verdächtiges zu sehen, der sollte uns informieren.“