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Celle Stadt Polizei übt für Terror-Ernstfall (mit Video
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Polizei übt für Terror-Ernstfall (mit Video
16:58 08.11.2018
Von Michael Ende
Ein Terrorist eröffnet das Feuer auf Polizei und Rettungskräfte. Quelle: David Borghoff
Celle

Schüsse peitschen, schreiend wälzen sich Verletzte in ihrem Blut, Reifen von Polizeiautos quietschen, Beamte springen heraus und gehen in Stellung, Befehle werden gerufen – erschreckend realitätsnah übten Celler Polizisten am Mittwochabend für den Tag X. Den Tag, an dem der Terror nach Celle kommt.

So unwahrscheinlich ist das nicht: Terroranschläge können überall verübt werden, und Celle mit seinem auf Terror-Prozesse spezialisierten Oberlandesgericht könnte eines Tages zum Ziel werden.

In der Übungslage wurde angenommen, dass es vor dem alten St.-Josef-Stift am „Bullenberg“ einen Verkehrsunfall zwischen einem Auto und einem dadurch schwerverletzten und eingeklemmten Fußgänger gegeben hat. Dann steigen bewaffnete Männer aus dem Auto, schreien "Allahu Akbar" – Arabisch für "Gott ist groß" – und geben Schüsse auf herannahende Rettungskräfte ab. Als die Polizei eintrifft, wird auch sie mit Schüssen empfangen. Im Anschluss laufen die Täter in das Stift, bei dem es sich laut Übungsszenario um ein großes Bürogebäude handelt, in dem sich noch zahlreiche Mitarbeiter aufhalten. Die Lage eskaliert weiter: Schüsse peitschen, Menschen fliehen aus dem Haus, und plötzlich gibt es eine unübersichtliche Anzahl von Verletzten.

Dann entscheiden sich die Celler Polizeibeamten für den Zugriff, jagen die Terroristen im Gebäude. Eine Stunde nach der Alarmierung ist der Spuk vorbei, sind die Terroristen "eliminiert" – beide tot. Ein Beamter und mehrere Geiseln sind verletzt. Im Gebäude brennt es. Nachdem Sicherheit hergestellt ist, kann die Feuerwehr löschen.


„Im Ernstfall können wir, wenn Menschen in akuter Gefahr sind, auch nicht auf das Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos warten – dann müssen wir selber ran. Deshalb auch dieses Amok-Training“, so Polizei-Pressesprecherin Birgit Insinger. Für die Einsatzkräfte sei die Situation vor Ort in einem solchen Fall zunächst sehr unübersichtlich, insbesondere auch, weil eine Vielzahl von Einsatz- und Rettungskräften gleichzeitig agiere: „Ziel der Übung ist nicht nur die optimale und geordnete Alarmierung an sich, sondern auch die Probe, wie das Zusammenspiel zwischen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften in einer komplexen Einsatzlage unter realistischen Bedingungen funktioniert.“

Die Polizei wolle mit der Übung Handlungssicherheit im Ernstfall generieren und die Organisationsstrukturen auf Wirksamkeit überprüfen, so Insinger: „Problemstellen sollen erkannt und behoben werden. Wir wollen überprüfen, ob die Einsatzkonzepte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch funktionieren.“ In den kommenden Tagen solle die Übung ausgewertet werden – in der Hoffnung, dass die Celler Polizei das Geübte nie in der Realität anwenden müsse.