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Celle Stadt Premiere im Celler Schlosstheater: „Der Vorname“ sorgt für Streit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Premiere im Celler Schlosstheater: „Der Vorname“ sorgt für Streit
21:03 23.02.2014
Ein Name sorgt für Streit: Thomas Ziesch, Thomas Wenzel, Christina Rohde, Julia Malkowski, Jörn Hentschel (von links) im Celler Schlosstheater. Quelle: Jochen Quast
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Wie bitte? Vincent will seinen Sohn „Adolphe“ nennen? Die Stimmung im Hause des Literaturprofessors Pierre kippt abrupt. Eigentlich hatte man sich hier für ein nettes Abendessen verabredet, aber die Namenswahl des künftigen Vaters wischt jede Gemütlichkeit beiseite. Insbesondere Gastgeber Pierre kriegt sich nicht mehr ein – egal ob mit „phe“ oder mit „f“, den Filius so zu benennen, sei ganz und gar unmöglich.

Bald verlassen die Debatten die historischen Grundlagen, driften in persönliche Gefilde ab. Und keiner aus der Runde kommt ungeschoren davon, da mag Elisabeth, Pierres Gattin und Vincents Schwester, noch so sehr um Schlichtung bemüht sein, während ihr Jugendfreund Claude sich unbedingt aus allem heraushalten will. Auch als Anna, die werdende Mutter, eintrifft, glätten sich die Wogen nicht. Ganz im Gegenteil kommt man nun erst richtig in Fahrt.

Eine moderne Komödie im Geist von Yasmina Reza („Der Gott des Gemetzels“) und aus gutem Grund eine zur Zeit äußerst angesagte. Da blitzen die Pointen gerne mal messerscharf, wie es überhaupt ein ziemlich sicheres Erfolgsrezept ist, die kuschelige Decke der gutbürgerlichen Wohlanständigkeit ein wenig anzulupfen und nachzuschauen, was sich wohl für Turbulenzen darunter verbergen mögen.

Auch am hannoverschen Staatsschauspiel ist das Stück angelaufen, dort hat man indes dem reinen Dialogwitz nicht vertraut und allerlei Verfremdungen eingebaut. Auf dergleichen hat Krystyn Tuschhoff in ihrer Celler Inszenierung mit Ausnahme von ein paar nachvollziehbaren Überzeichnungen verzichtet. Herausgekommen ist eine gradlinige Aufführung, die zunehmend an Schwung gewinnt und stimmigerweise ohne Pause gespielt wird.

Ausstatterin Anike Sedello hat einen zweckdienlichen Raum inklusive Wintergarten und vielen Pflanzen gebaut. Ihre Kostüme sind sehr dezent, im Falle von Pierre und Elisabeth vielleicht sogar zu sehr – diese beiden Figuren können im Erscheinungsbild einen Hauch von intellektuell überfeinerter Pseudo-Flippigkeit vertragen.

Manche Rollen sind hier dankbarer als andere. Wenn Jörn Hentschel als großmäuliger Erfolgsmensch Vincent besonders abräumt, liegt das nicht zuletzt daran, dass die Figur das energetische Zentrum des Stücks bildet und die meisten Knallerpointen hat. Hentschel macht das aber auch sehr gut, lässt die Stimme manchmal leicht überschnappen und zeigt am Schluss die Kehrseite des Spaßvogels Vincent auf. Thomas Zieschs Pierre ist am komischsten, wenn er alles Professorale fahren lässt und die Contenance verliert. Christina Rohde als Elisabeth setzt ihre Spitzen zielsicher, könnte bei ihrem großen Ausbruch gegen Ende aber noch ein bisschen mehr Gas geben.

Thomas Wenzel legt den Claude zurückhaltend genug an, um nachher desto mehr zu punkten, hat diese Figur doch die größte Überraschung in petto. Julia Malkowski schließlich findet für die eher schlicht gestrickte Anna eine schöne Balance zwischen Frechheit und einer gewissen Würde.

Es wird viel gelacht während dieser Premiere, und am Schluss gibt es kräftigen Applaus. Wer auf einen Abend solider Unterhaltung aus ist, könnte hier gut aufgehoben sein.

Von Jörg Worat