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Celle Stadt Premiere im Celler Schlosstheater: Poetischer Blick auf das Leben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Premiere im Celler Schlosstheater: Poetischer Blick auf das Leben
14:00 16.09.2016
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Wie erlangen wir die Liebe, wie pflegen wir sie und wie erhalten wir sie? Eine Antwort darauf will das Schlosstheater in einer Zusammenarbeit mit dem Altonaer Theater geben. „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ heißt die Premiere eines Kammerspiels nach dem Roman des Kolumbianers García Márquez am Freitag, 23. September, im Schloss. Dazu haben Regisseur und Schlosstheaterintendant Andreas Döring und die Altonaer Dramaturgin Anke Kell eine dramatisierte Fassung geschaffen. Voller Lebenskraft und Poesie erzählen sie auf der Basis des Romans vom Aufbruch im Alter, wenn am Lebensende die Liebe erneut spürbar wird. Bis ins hohe Alter nämlich hat Florentino Ariza nur immer seine Jugendfreundin Fermina Daza geliebt, ohne mit ihr zusammenzuleben oder mit ihr verheiratet zu sein – genau 51 Jahre, neun Monate und vier Tage. Eine halbe Ewigkeit. Schon als Achtzehnjähriger hatte er sich unsterblich in sie verliebt, sie mit poetischen Briefen umworben, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit erlangt und sie dann schließlich doch an Doktor Juvenal Urbino verloren. Aber nach dessen Tod sieht er eine neue Chance kommen.

Für die Rolle des Florentino war ursprünglich der Hamburger Schauspieler Wilfried Dziallas vorgesehen. Am Ende der Proben musste er sich allerdings einer nicht mehr aufschiebbaren Operation unterziehen. Für ihn übernimmt nun sehr kurzfristig Dirk Diekmann vom Schauspielhaus Düsseldorf, der schon in den 80er-Jahren Ensemblemitglied in Celle war, seine Rolle. Den Part der Fermina wird weiterhin wie geplant die Hamburger Schauspielerin Karin Nenneman aus Hamburg gestalten.

„In der Rückbetrachtung eines Lebens,“ sagt Andreas Döring, „findet eine emotionale Einordnung vor allem bei Fermina statt. Eigentlich durchläuft sie durch den Freund einen Emanzipationsprozess und stellt dadurch fest, dass ihre Ehe, so glücklich sie war, auch viele Fragen offengelassen hat und sie als selbstbestimmte Frau sehr unterdrückt wurde.“ So wären Liebe und Erotik ja durchaus auch noch im fortgeschrittenen Alter möglich. Im Stück von Marques käme das Gespräch darüber jedenfalls vor.

„Ich finde den Stoff versöhnlich und respektvoll, was das Alter angeht. Es erfährt eine deutlich hohe Wertschätzung.“ Dabei bliebe der Dialog immer erhalten, und es käme nichts Aufgebauschtes oder Überzogenes daher, ergänzt Chefdramaturg Ralph Blase: „Der Erzähl-Atem ist durchgehend zu spüren.“ Andreas Döring fügt hinzu „Alles kommt mit ruhiger Klinge daher und aus den feinen, ehrlichen Empfindungen und Gedanken der Spieler.“ Peinlichkeiten brauche man nicht zu fürchten. Im Gegenteil: Das Stück wage aus der sehr poetischen Sicht von García Márquez einen persönlichen Blick auf das Leben. Dazu biete das Schlosstheater einen sehr geeigneten Rahmen.

Von Hartmut Jakubowsky