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Celle Stadt Premiere im Malersaal mit neuen Stück von Sybille Berg
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Premiere im Malersaal mit neuen Stück von Sybille Berg
14:01 25.10.2017
Natascha Heimes übernimmt die Solo-Rolle im Stück „Und jetzt: Die Welt! Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ von Sybille Berg, das im Celler Schlosstheater startet. Quelle: Schlosstheater Celle
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Weiter auseinander könnten diese beiden Rollen für die junge Schauspielerin kaum sein. Hier die im Berlin der beginnenden 30er Jahre lebende englische Sängerin Sally, die in Verkörperungen von Ute Lemper, Anna Loos oder Liza Minelli ihre vielleicht namhaftesten Verkörperungen gefunden hat, da eine Figur in Sybille Bergs preisgekröntem Stück, die erst aus einem durchlaufenden Text herausgearbeitet werden muss. Zudem diese Figur schwer zu fassen ist: Es ist eine Frau in einem Alter, das sie über gewisse Erfahrungen verfügen lässt, die aber zugleich noch jung genug ist, um zu den heutigen Menschen des digitalen Zeitalters zu zählen.

Da wird es schwierig: Ist sie nun eher Ende 30 oder doch mindestens zehn Jahre jünger. Man kann das nicht wirklich festlegen und deshalb ist es auch nicht wesentlich, wenn das auch für das Publikum offen bleibt. „Wichtiger ist vielmehr: Das ist eine Figur, die ständig falsche Fährten legt. Sie lockt den Zuschauer auf eine Spur des Verstehens um im nächsten Satz, das was der Zuschauer meint verstanden zu haben, gleich wieder zu korrigieren. Hier ist Sprache Bleistift und Radiergummi zugleich.“ Mit diesem wunderbaren Bild beschreibt es Andreas Döring und ergänzt: „Diese Figur stellt einen Menschentypus unserer Zeit dar. Sie lebt in einer abgeschotteten digitalen Welt für sich, vereinsamt, stellt höchste Ansprüche an sich und die Welt, weiß aber keine Prioritäten zu setzen. Sie stellt sich dabei ständig die Frage, was denn eigentlich Glück für sie ausmacht.“ Dabei schielt Döring auf Schauspielerin Natascha Heimes, die die ganze Zeit genickt hat, aber doch ihre eigene Sicht vermitteln will: „Das ist eine herbe Frau. Aber keine Frau, die leicht zu durchschauen ist.“ Sie klingt dabei so als ob sie selbst noch mitten im Prozess des Findens dieser Figur sei. Sie setzt fort: „Diese Frau spielt immer wieder auch noch andere Rollen, ohne dass das gleich für den Zuschauer zu erkennen wäre. Und dadurch wird sie auch zu einer humorvollem Figur.“ Döring ergänzt sogleich: „Das liegt dir an dieser Rolle auch ganz besonders. So wird sie zu einer Figur, deren schwarzer Humor den Text auch wunderbar unterhaltend macht. Diese Figur läuft eben nicht auf der Schiene der Betroffenheit, sondern sie funktioniert ganz anders.“ Wie das dann im Detail aussehen wird, das kann ab nächsten Donnerstag erlebt werden.

Von Reinald Hanke