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Celle Stadt Premiere mit Charme und Witz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Premiere mit Charme und Witz
23:34 14.12.2011
Thomas Wenzel (alias F¸rst Metternich) Quelle: Jochen Quast
Celle Stadt

So ist das manchmal im Leben. Da gelingt es Pepi, dem Privatsekretär des Fürsten Metternich, seine Verlobte mit Hilfe des Zaren wieder aus dem Gefängnis zu holen, und gleichzeitig handelt er sich einen einflussreichen Nebenbuhler ein. Zar Alexander nämlich verliebt sich Hals über Kopf in Christel, die flotte Handschuhmacherin. Das erzürnt natürlich den Pepi. Metternich dagegen macht die Lage glücklich, denn solange Russlands Herrscher mit Liebschaften beschäftigt ist, stört er den internationalen Kongress zur Neuordnung Europas nicht. Aber dann ruft die Pflicht. Napoleon ist von Elba geflohen. Der Zar muss Wien verlassen. Arme Christel. Für sie bleibt nur die Erinnerung an eine schöne, aber aufregende Zeit und rückblickend die musikalische Erkenntnis: „Das gibts nur einmal, das kommt nicht wieder.“

Regisseur Lars Wernicke sorgt mit seiner Inszenierung für Tempo und Abwechslung, bisweilen für ironisierende Übertreibung und durch geschickte Zuspitzungen immer auch für kurzweilige Unterhaltung. Dabei scheut er bei bühnentechnischen Klippen auch nicht vor eigenwilligen Ideen zurück, wenn es etwa darum geht, die fesche Christel im Wagen zum Tête-à-tête mit dem verliebten Zaren zu transportieren. Das hat Charme und Witz, kommt bisweilen aber auch recht hoch dosiert über die Rampe. Wesko Rohde hat dazu ein halbrundes Bühnenbild gebaut, dass mit vielen Türen und Portalen nicht nur den Musikern mit Geige (Zsofia Brockhaus), Saxophon und Querflöte (Peter Missler) sowie Ulrich Jokiel am Klavier Raum gewährt, sondern auch schnelle Szenenwechsel und viele verschiedene Spiel- und Auftrittsmöglichkeiten bietet.

Vierzig Rollen und zehn Darsteller - das bedeutet für jeden von ihnen besondere Konzentration und für Kostümbildnerin Andrea Göttert die schöne Möglichkeit zu zeigen, was der Fundus an Kleidungsstücken und Perücken so alles hergibt.

Im Bestreben, dem Zaren durch jugendliche Anmut zu gefallen, verleiht Gabriela Lindlova ihrer Christel eine gewisse Reichlichkeit der Gestik, die über ein bestimmtes Maß hinaus und auf die Dauer nur sehr eingeschränkt noch komisch wirkt, während Tobias Sorge als Zar und dessen trotteliger Doppelgänger Uralsky durch kluge Balance zwischen staatsmännischem Auftreten und fein zurückgenommenem Witz auffällt. Als Pepi hat Dennis Junge starke Momente mit eilfertigem Pflichtbewusstsein gegenüber Metternich (charmant und klug auch aus dem Bett die Fäden spinnend Thomas Wenzel) und seinem aussichtslosen Liebeskummer. Dem Herzog von Wellington verleiht Jürgen Kaczmarek glaubhaft britische Zurückhaltung. Als Gitarre spielender Heurigensänger jedoch ist er hinreißend. Da capo. Hartmut Fischer erfreut als Fürst von Hardenberg, Farès-Brahim Bouattoura als Talleyrand, Julia Malkowski als Finanzminister und als Bibikoff Andreas Stadler. Eine überzeugende Comtesse ist Christina Rohde. Im musikalischen Bereich blieb mit zunehmender Spieldauer dennoch Luft nach oben, aber das kann sich zukünftig ja noch ändern. Ein insgesamt heiterer und unterhaltsamer Abend mit viel Beifall am Schluss.

Von Hartmut Jakubowsky