Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Problemfall Marionette in Celler Repair Café
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Problemfall Marionette in Celler Repair Café
19:14 07.11.2014
Von Jürgen Poestges
Bei der Marionette wurden die verhedderten - Fäden sortiert. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

122 Webber Street in London, Chicago 2733 W. Lawrence Avenue, Sydney, 37 Nepean Street – und Celle, Schlossplatz 7: Was haben diese Adressen auf der ganzen Welt gemein? Es gibt überall ein Repair-Café. Das heimische Café in den Räumen des Bomann-Museums besuchten jetzt wieder rund 30 Hilfesuchende. Unter dem Arm hatten sie unter anderem einen CD-Player, eine Musikanlage, Kabel, eine elektrische Schreibmaschine, eine verhedderte Marionettenpuppe und mehrere Spieluhren. Und alle funktionierten nicht. Viermal im Jahr öffnet das Café seine Pforten und hat sich inzwischen zu einer Celler Institution entwickelt.

Defekte an elektronischen Geräten gehören zu den Standardproblemen, denen die ehrenamtlichen Experten zu Leibe rücken. So manch einer klemmenden DVD-Schublade war mit Gleitspray wieder auf die Sprünge zu helfen. Bei vielen mechanischen Kontakten bildet sich im Laufe der Zeit eine Oxidationsschicht, der den Stromfluss unterbindet. Mit Kontaktspray ist der Mangel oft beseitigt.

Schwieriger gestaltet es sich für die Experten bei Geräten mit defekten Bauteilen. Bei einer Gartenschere fand sich für die gebrochene Feder ein Ersatzteil im Fundus des Repair-Cafés. Und für die ausgerissene Verbindungshülse einer Lampe ließ sich in der Werkstatt ein Ersatzteil anfertigen. Fast schon ein Klassiker ist der defekte Handmixer. Auch er verließ geheilt die Werkstatt. Bei einer Weihnachtsspieluhr stellte sich ein Fremdkörper als Störfaktor heraus. Er blockierte das Laufwerk.

Eine Besonderheit war eine Marionette, deren Fäden vollständig verheddert waren. Ein Entwirren war schier unmöglich. So wurde die Marionette in Teamarbeit mit neuen Fäden versehen.

So viel Glück hatte der Besitzer eines mehr als zehn Jahre alten Radioreceivers nicht. Die Störungsursache konnte zwar eingekreist und auf ein defektes Netzteil zurückgeführt werden. Aber im Café fehlten dann schlicht die Ersatzteile. Hier musste auf einen Fachbetrieb verwiesen werden.

Die Experten des Repair-Cafés beflügelt geradezu ein sportlicher Ehrgeiz, die Quote der erfolgreichen Reparaturen hochzuhalten. Doch mitunter stoßen sie auch an ihre Grenzen. Das sind zum einen die fehlenden und nicht mehr zu beschaffenden Ersatzteile, zum anderen handwerkliche Fertigkeiten, die Spezialisten überlassen werden müssen. Immer wieder kommen Besucher ins Café, deren defekte Geräte feinmechanische Fertigkeiten erfordern. So wäre einer Spieluhr wieder Leben eingehaucht worden, wenn ein winziger abgenutzter Bolzen hätte ausgetauscht werden können. Eine mechanische Armbanduhr kann nur von einem Uhrmacher repariert werden.

Der große Andrang führte zu einiger Wartezeit. Doch das Repair-Café ist eine offene Werkstatt. Dem Reparateur darf und soll dabei über die Schulter geschaut werden. Dazu legen die Besucher mitunter selbst Hand an. So entstanden über den ursprünglichen Anlass hinweg Gespräche über den Alltag, über Erfahrungen mit der Technik – und über das Leben überhaupt.

Das nächste Mal ist das Repair-Café am 12. März 2015 von 14 bis 18 Uhr geöffnet.