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Celle Stadt Profitlich sinniert in Celle über Halbzeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Profitlich sinniert in Celle über Halbzeit
17:37 04.05.2015
Markus Maria Profitlich – Comedy --ausverkauft Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

NEUENHÄUSEN. Wer ihn sieht, der ahnt, was er kriegt – der aus zahlreichen TV-Auftritten wohlbekannte Mittfünfziger hat keine Berührungsängste mit sich selbst. „Witzpack statt Sixpack“ eben – und um das noch mal deutlich zu machen, erklärt – oder verspricht? – Markus Maria Profitlich den Zuschauern schon in der ersten Auftrittsminute „ich mach hier weder politisch noch sozialkritisches Kabarett.“ Also „nur“ pure ehrliche Unterhaltung? Der rauschende Applaus scheint seinen Absichten zu danken.

Der ganze Abend entpuppt sich tatsächlich als reines und gut gemachtes Entertainment. Das Publikum ist von Beginn an entspannt und mit Herz dabei, lässt sich von Thema zu Thema führen, stets die einfach-witzigen komischen Seiten im Blick, die „Mensch Markus“ so geschickt extrahiert und präsentiert. „Halbzeit – gibt es ein Leben nach dem Fünfzigsten?“, so heißt die Frage. Und Profitlich meint, die könne man nur angehen, wenn man sich den Weg bis zum Fünfziger plus, vergegenwärtigt: Von Trümmerfrauen geboren, von Emanzen erzogen, mit Biokräuterweibern pubertiert und dann von den potenziellen Traumfrauen in die Softie-Ecke gedrängt. Was möglich-versteckte Frauenschelte betrifft, war das aber schon alles. Ab da geht es um den Mann – was so manche Frau im Publikum schon an und für sich begeistert, weil es eben mal nicht um weibliche Shoppingmacken und Einparkgeschichten geht, die hat man längst satt.

„Fünfzig ist das neue Dreißig“? Damit kann der Comedian sich nicht anfreunden. Das bedeute ja, sich zurück zu entwickeln, vielleicht zu Baggyhosen, Piercings und ewig-daddelnden Smartphone-Usern? Nö danke. Aber wie geht man mit dem Älterwerden um und was kann man dagegen tun? – die kurzen Videoeinspielungen befragter „Passanten“ beweisen ganz nebenbei auch das Rollenspielgeschick des Künstlers. Konsequent führen die Gedanken zu männlichen Eitelkeiten, Wehwehchen und Arztbesuchen. Ob Bluthochdruck oder Vorsorge – wenn Markus Maria Profitlich seine Geschichten erzählt, kann auch der Weg zum Urologen nur zu Lachtränen führen. Oft braucht es gar keine Worte. Mimik und Gesten verdeutlichen schon alles.

Auch Themenbereiche wie Freizeitgestaltung und passende Hobbies, Urlaubsplanung und –pannen und die Familie bieten zahlreiche komische Aspekte – kratzen aber auch immer wieder am männlichen Selbstverständnis. Eigenerlebtes mischt sich mit Beobachtungen. Um seine vollschlanke Figur kommt der Entertainer nie so ganz rum – aber vielleicht macht ja genau das die „150 Kilogramm Dynamit mit kurzer Zündschnur“ so sympathisch, auch was das Handling von Anzüglichkeiten betrifft. Die einstimmige Forderung nach Zugabe zum Schluss hat er jedenfalls vollkommen verdient.

Von Doris Hennies