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Celle Stadt Prognosen weiter verbessern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Prognosen weiter verbessern
12:12 29.11.2018
Die Karte zeigt eine Übersicht zu Überschwemmungsgebieten der Fuhse. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Gefahren frühzeitig erkennen und Hochwasserschäden an Menschen und deren Hab und Gut effizient vermeiden: Mit der Ermittlung von Überschwemmungsgebieten leistet der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits seit 2007 einen zentralen Beitrag zum vorbeugenden Hochwasserschutz an Niedersachsens Wasserläufen. Auch für die Fuhse im Kreis Celle.

Auf insgesamt neun Kartenblättern hat der Landesbetrieb den rund 20 Kilometer langen Flussverlauf und die vorläufige Sicherung des Überschwemmungsgebietes im Landkreis Celle dargestellt – von der Kreisgrenze bis zur Mündung in die Aller. Ein insgesamt 1533 Hektar großes Gebiet wurde neu ermittelt. Eine aktualisierte Datenlage hatte die Überarbeitung des bereits 2013 festgesetzten Gebietes erforderlich gemacht.

Das aktuell errechnete Überschwemmungsgebiet der Fuhse erstreckt sich auf Bereiche der Stadt Celle sowie der im Landkreis Celle gelegenen Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen, beginnt an der Mündung zur Aller im Stadtgebiet Celle und verläuft rund 19,6 Kilometer stromaufwärts bis zur an die Region Hannover heranreichenden Kreisgrenze.

Die Neuberechnungen erfolgten vor dem Hintergrund der Hochwasserereignisse der letzten Jahre: „Hierbei gesammelte zusätzliche Daten und Erkenntnisse konnten dazu beitragen, unsere Prognosen für zukünftige Gefahrenlagen weiter zu verbessern“, sagt Heiner Harting, Leiter der NLWKN-Betriebsstelle Verden. Der NLWKN als Landesbetrieb arbeitet im Rahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes mit den Unteren Wasserbehörden, die für die endgültige Festsetzung dieser Überschwemmungsgebiete zuständig sind, eng zusammen und versteht sich als Dienstleister, der mit seiner fachlichen Expertise die sogenannte HQ 100-Linie liefert. Sie zeigt an, bis zu welcher Stelle im Ernstfall Gefahren durch Hochwasser drohen.

Sehr gut sind die Unterschiede zwischen dem nun vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet (türkis hervorgehoben) und dem 2013 festgesetzten Areal (schraffierte Fläche) auf der Karte ablesbar. „Zum Teil hat sich die als Überschwemmungsgebiet in diesem Flussabschnitt aufgrund der neuen Datenlage nun vorläufig gesicherte Fläche vielerorts verringert“, sagt NLWKN-Pressesprecher Carsten Lippe. „Es gibt aber auch einzelne Flussabschnitte, in denen zusätzliche Flächen als im HQ 100-Fall potenziell gefährdet identifiziert werden konnten.“ Das sei etwa der Bereich zwischen Flackenhorst und Bockelskamp.

Hintergrund der Neuermittlung des Überschwemmungsgebietes waren aktuelle Informationen und Erfahrungswerte, die im Rahmen des Fuhse-Hochwassers vom Mai/Juni 2013 nur wenige Monate nach der ersten Festsetzung gesammelt werden konnten.

„Hochwasserschutz ist eine Daueraufgabe“, betont Lippe die permanente Herausforderung. „Mit jedem Ereignis wächst dabei auch das Wissen über potenzielle Hochwassergefahren und das Verhalten des Wassers in der Fläche.“ Somit wurden in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Unteren Wasserbehörden, den Gemeinden und dem Unterhaltungsverband in größerem Umfang weitere Vermessungen im Überschwemmungsbereich durchgeführt. Dabei rückten etwa auch etwaige im Gelände vorhandene Bruchkanten, wie Wege, Gräben oder auch Bahndämme stärker in den Blick, die Einfluss auf das Hochwassergeschehen nehmen können.

Anhand der neuen Erkenntnisse wurde das Überschwemmungsgebiet mit einem komplett überarbeiteten Hydraulikmodell neu berechnet und dessen Ergebnis nun entsprechend vorläufig gesichert.

Wie der Landkreis Celle mitteilt, wurde an der Fuhse im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens Bröckel unter anderem im Wege- und Gewässerplan die Anlage einer Eindeichung der Fuhse und der Aue geplant, die das Verfahrensgebiet der Flurbereinigung weitgehend hochwasserfrei gemacht hat. „Diese Verwallungen entlang der Aue und der Fuhse bilden heute im Zusammenspiel mit den vorhandenen Pumpwerken den Grundstock des Hochwasserschutzes an der Fuhse im Landkreis Celle“, stellt Kreisrat Gerald Höhl fest. Bei der erstmaligen gesetzlichen Festsetzung des Überschwemmungsgebietes an der Fuhse 2013 seien diese Verwallungen in ihrer vorhandenen Höhe berücksichtigt worden.

Die Samtgemeinde Wathlingen berief sich auf den festgestellten Flurbereinigungsplan und legte dar, dass die vorhandenen Verwallungshöhen nicht mehr den ursprünglichen Höhen entsprachen. Daher ein neues Berechnungsmodell, basierend auf dem aktuellen digitalen Geländemodell und kalibriert am realen Hochwasserereignis aus dem Sommer 2013. Höhl: „Im Ergebnis zeigt sich, dass die ursprüngliche Verwallung in ihrer Höhe weitestgehend hochwasserkehrend wirkt und nur in einem kleinen Teilbereich minimal überströmt wird.“ Rechnerisch sei die Leistung der Pumpwerke hier jedoch ausreichend, um das überströmende Wasser wieder in Richtung Fuhse abzuführen.

Hierbei müsse jedoch beachtet werden, dass Verwallungen – anders als Deiche – keinem technischen Regelwerk unterliegen. „Es ist also nicht garantiert, dass die Verwallungen auch einem länger anhaltenden Hochwasser standhalten“, so Höhl. Dies erfordere im Rahmen der Unterhaltung der Verwallungen und im Hochwasserfall besondere Aufmerksamkeit: „Sollte die Verwallung dem Hochwasser nicht standhalten, ist davon auszugehen, dass Bereiche, die zukünftig rechtlich nicht mehr als Überschwemmungsgebiet gelten, trotzdem weiter von Hochwasser bedroht sein können“, so Höhl abschließend.

Für den Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Celle, Martin Albers, ist die Fortschreibung der Überschwemmungsgebiets-Karte auch eine Auswirkung der sich verändernden Klima- und Wetteraspekte: „Es ist nach wie vor gut, zu wissen, wo eine Gefahr besteht. Die Korrektur ist durchaus sinnvoll:“ Auch wenn sich für den einen oder anderen Betrieb möglicherweise Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzung ergeben. „Der Ball des weiteren Verfahrens liegt nun beim Landkreis.“

Ausweisung ist grundlegend für Hochwasserschutz

„Vor rund hundert Jahren wusste man in Preußen bereits: Wer das im Hochwasserfall von Überschwemmung bedrohte Areal kennt, kann schon im Vorfeld die Schäden wirksam reduzieren“, sagt Heiner Harting, Leiter der Betriebsstelle Verden des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Zum Beispiel durch eine Einschränkung der Baumaßnahmen oder eine Änderung der Nutzung“.

Der NLWKN arbeitet deshalb im Rahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes mit den Unteren Wasserbehörden eng zusammen. Sie sind für die endgültige Festsetzung der Überschwemmungsgebiete zuständig.

Der NLWKN versteht sich dabei als Dienstleister, der mit seiner fachlichen Expertise die sogenannte HQ 100-Linie liefert. Sie zeigt an, bis zu welcher Stelle im Ernstfall Gefahren durch Hochwasser drohen.

Grundlage dafür sind komplexe Messungen und Berechnungen. Sie machen sichtbar, wo bei einem statistisch alle hundert Jahre zu erwartenden Hochwasserereignis – dem sogenannten HQ 100-Fall – Ausuferungen in ufernahen Flächen zu befürchten sind. Darum ist eine derartige Ermittlung und Ausweisung von Überschwemmungsgebieten grundlegend für den Hochwasserschutz. „Hierbei gesammelte zusätzliche Daten und Erkenntnisse konnten dazu beitragen, unsere Prognosen für zukünftige Gefahrenlagen weiter zu verbessern“, so Harting.

Schwere Hochwasser haben in den vergangenen Jahren die Bedeutung eines solchen vorbeugenden Hochwasserschutzes in Niedersachsen noch einmal deutlich unterstrichen. Seither sind an Flüssen auf einer Länge von mehr als 6.000 Kilometern Überschwemmungsgebiete vorläufig gesichert oder festgesetzt worden.

Landkreise, kreisfreie sowie große selbstständige Städte können auf dieser verlässlichen Grundlage ein förmliches Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung zur endgültigen Festsetzung der Überschwemmungsgebiete durchführen.

Von Lothar H. Bluhm

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