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Celle Stadt Provokatives Kabarett mit Pointen, die ins Publikum zielen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Provokatives Kabarett mit Pointen, die ins Publikum zielen
13:18 06.01.2014
Ranz & May begeisterten mit - ihrem Programm „Gutmensch ärgere Dich nicht“ das - Publikum in Kunst & Bühne. Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

Michael Ranz und Edgar May sind beide klassisch ausgebildete Künstler, Ranz als Schauspieler und May als Pianist. Das machte sich bei ihrem Auftritt sehr positiv bemerkbar, denn Ranz konnte mit seinem raumgreifendenden Schauspiel, seiner sonoren Stimme und seinen originellen Gesichtsentgleisungen das Publikum von der ersten Sekunde an mitnehmen. Edgar May hielt sich eher im Hintergrund, überzeugte jedoch durch eine qualitativ anspruchsvolle Begleitung am E-Piano. Beide trugen Schlips und Kragen, was symbolisierte, dass sie sich zu den selbstbewussten, klassischen Kabarettisten zählen: Kaum Requisiten, höchstens angedeutete Zoten unter der Gürtellinie und Pointen, die in die Mitte des Publikums zielten, statt irgendwelche Randgruppen durch den Kakao zu ziehen. Ihr Programm war mit zahlreichen Liedern durchwirkt, was angesichts ihrer musikalischen wie sprachlichen Qualität dem Auftritt guttat.

Typisch für das Duo war das Aufgreifen einer Meldung, ein Schleswig-Holsteiner Lehrer habe zusammen mit seinen Schülern ein Kaninchen geschlachtet, um ihnen klar zu machen, dass „Fleisch nicht in Tüten wachse“. Da seien sie ausgerastet, die „Bionade-Muttis“, meinte Ranz, und kommentierte das trocken und provokativ so: „Wer Fleisch essen will, muss auch töten können!“

Geschickt wandte sich das Duo Themen zu, die keine einfachen Lösungen bieten. Da konnten sie ihre „Bildungsbürger“ im Zuschauerraum durch radikale Positionen provozieren. Das sei doch die Aufgabe von Kabarett, meinten die Künstler, und das Publikum signalisierte seine Zustimmung durch Applaus.

Peter Bierschwale

Von Peter Bierschwale