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Celle Stadt Psychiatrie in Celle: Neue Station öffnet zum Jahresende
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Psychiatrie in Celle: Neue Station öffnet zum Jahresende
18:44 21.09.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Derzeit gibt es im Akutkrankenhaus auf zwei Stationen verteilt 63 Betten. In der Tagesklinik stehen 30 Plätze zur Verfügung. „Wir sehen eine deutlich höhere Nachfrage und bemühen uns, diese zu decken“, betont Geschäftsführer Rainer Brase. Das dritte Obergeschoss habe die Krankenhausgruppe aus Sehnde mit eigenen Mitteln bezahlt. Bis zum Ende des Jahres soll die neue gemischte Station mit rund 20 weiteren Betten öffnen.

Im Durchschnitt blieben die Patienten im vergangenen Jahr 22 Tage in der Celler Klinik. Doch die Dauer unterscheide sich je nach Gruppe, so Brase. „Wer zur Entgiftung kommt, bleibt meist nur fünf Tage. Bei einer Depression bleiben die Patienten schon einmal acht Wochen in der Klinik.“

Patienten kritisieren Personalmangel: Auf dem Portal www.klinikbewertungen.de stehen zwei Erfahrungsberichte zur Fachklinik in Celle. Ein Patient schreibt: „Patienten sind nur durchlaufende Posten, Kontrollen finden nicht statt. Bei Suizidgefahr auch noch neue Nagelscheren auszugeben ist geradezu eine Einladung, sich selbst zu verletzen. Den Neubau in Celle hätten sich die Wahrendörffler lieber sparen sollen. Besser wäre ein Fahrdienst nach Ilten, da die meisten Therapien eh nicht angeboten werden.“ Ein weiterer Patient sei erst zufrieden mit der geschützten Station gewesen. „Nach zwei Tagen durfte ich dann auf die offene Station. Leider herrschte hier gleich ein anderes Klima. Pflegekräfte wirkten gehetzt, hatten wenig Zeit und Ärzte oder Therapeuten hat man nie angetroffen.“

Brase kenne die beiden Einträge, möchte sie aber nicht kommentieren. Die Klinikleitung führe selbst Qualitätsbefragungen durch und erreiche damit rund ein Drittel aller Patienten, so Brase. Die Ergebnisse seien im Vergleich mit externen Untersuchungen sehr großer Krankenkassen „ausgesprochen gut“. Einzelne Kritikpunkte würden „abgestellt“.

Aktuell komme man in Celle auf 90 Mitarbeiter, zwölf Ärzte und drei Oberärzte, so Brase. Den Nachtdienst bestritten die Celler gemeinsam mit Kollegen aus Ilten und Köthenwald. „Celle ist besonders, weil es bis vor zwei Jahren keine Versorgung im großen Stil gab. Um Pflegekräfte mit psychiatrischer Erfahrung auf einen Stand zu bringen, bilden wir Fachkräfte aus“, erläutert Brase. Die Fluktuationsrate im Unternehmen betrage acht Prozent. Die Mitarbeiter blieben im Schnitt zwölf Jahre. Auch wenn eine weitere Station eröffnet werde, bleibe es beim bisherigen Therapieangebot. „Wir decken häufige Krankheitsbilder ab. Unser Angebot wird nicht weiter in die Breite gehen, aber wir werden es quantitativ verbessern.“

Angehörige wünschen sich mehr Gespräche: Angehörige sagen, dass sich die psychiatrische Versorgung in Celle eindeutig verbessert habe. „Im akuten Fall wird ein Patient sofort aufgenommen. Dabei ist die Sicht zwischen der Klinik und den Angehörigen manchmal unterschiedlich. Auf jeden Fall ist es eine Erleichterung, dass die Wege kürzer geworden sind“, so Rose-Marie Seelhorst von der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker. Wie in allen Kliniken gebe es auch in Celle Probleme bei der Anwerbung von Ärzten. „Die Situation hat sich in Celle offenbar entspannt. Problematisch sind oft die Nächte und Wochenenden, weil dann manchmal unbekannte Ärzte Dienst machen.“ Ihrer Ansicht nach sollte sich die Klinik mehr für Gespräche öffnen.