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Celle Stadt Psychisch Erkrankte im Betrieb halten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Psychisch Erkrankte im Betrieb halten
15:14 13.03.2012
Von Oliver Gatz
Setzen sich f¸r besseren Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz ein (von links): IHK-Gesch‰ftsstellenleiter Michael Wilkens, Oberb¸rgermeister Dirk-Ulrich Mende, Ximena Rodriguez von der Leuphana Universit‰t, CDU-Bundestagsabgeordneter Henning Otte und Wolfram Beins vom "Anker". Quelle: Alex Sorokin
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Steigender Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung und Zukunftsängste: Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Die hohen Ausfallzeiten der Beschäftigten schaden den Unternehmen, die ohnehin schon vom Fachkräftemangel betroffen sind, und belasten die Sozialkassen. Celle nimmt im niedersächsischen Vergleich laut DRK-Report eine Spitzenposition bei psychischen Erkrankungen ein. Um hier gegenzusteuern, ist das Celler Netzwerk Gesunde Arbeit ins Leben gerufen worden. Zur Auftaktveranstaltung am Montag in der Alten Exerzierhalle kamen rund 150 Vertreter von Unternehmen, Sozialversicherungen und Anbietern des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

„Es geht nicht nur darum, psychisch Erkrankte Menschen in Arbeit zu bringen, sondern sie zu halten", sagte Wolfram Beins vom Verein für psychosoziale Arbeit „Der Anker", der gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg und der Leuphana Universität Lüneburg das Netzwerk gegründet hat. Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung stand das sogenannte Job Coaching, das der „Anker" anbietet. Ziel ist es dabei, gemeinsam mit dem Betrieb und dem Erkrankten nach Lösungen zu suchen, ihn weiterzubeschäftigen und nicht für längere Zeit in einer Klinik oder Übergangseinrichtung unterzubringen. Denn dadurch sinkt die Chance, den Erkrankten wieder im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen.

Das erfordert aber angesichts des Wirrwarrs an Zuständigkeiten der Sozialversicherungsträger ein abgestimmtes Vorgehen. Hier bietet das Netzwerk gerade kleinen und mittelständischen Betrieben, die sich ein betriebliches Gesundheitsmanagement nicht leisten können, eine Hilfestellung. „Die Idee eines Netzwerkes ist genau der richtige Weg, damit umzugehen", sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). „Welche Ideen gibt es wo? Wie werden sie umgesetzt? Und wer kann davon profitieren? Dafür ist ein Austausch, ein Netzwerk wichtig."

Ein Großteil der Unternehmen habe noch keine Erfahrung im Umgang mit psychischen Erkrankungen, stellte der Schirmherr der Veranstaltung, CDU-Bundestagsabgeordneter Henning Otte, fest. Das stelle eine betriebswirtschaftliche Herausforderung dar.

In Fachvorträgen und der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft ging es um Stress am Arbeitsplatz sowie Chancen, die das Job Coaching bietet. „Die Anforderungen an den Arbeitnehmer sind ganz andere als vor zehn oder 20 Jahren", sagte Dr. Uwe Gerecke, Leitender Betriebsarzt der Stadtwerke Hannover enercity. Viele Beschäftigte fühlten sich an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Führungskräfte müssten sich darauf einstellen. „Wenn Konflikte im Betrieb bestehen, müssen wir sie angehen und dürfen die Augen davor nicht verschließen."

Die Interessen von Betrieben, Sozialleistungsträgern und Experten des betrieblichen Gesundheitsmanagements sollen nun in drei Netzwerk-Foren gebündelt werden. Dazu findet im April ein erster Austausch bei der Celler IHK-Geschäftsstelle und beim „Anker" statt.