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Celle Stadt Puffpaff in CD-Kaserne: Die Ketten rasseln leiser
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Puffpaff in CD-Kaserne: Die Ketten rasseln leiser
18:29 29.01.2017
Von Jürgen Poestges
Sebastian Puffpaff hielt den Besuchernin der Celler CD-Kaserne Celle oft den Spiegel vor. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Puffpaff sei sein wirklicher Name. „Niemand gibt sich doch so einen bekloppten Künstlernamen.“ Seine Frau habe den gleichen Nachnamen. Sie sei Urologin in einem Krankenhaus. „Da kommt es schon einmal zu wundersamen Heilungen, wenn sie mit ihrem Namensschild am Kittel in den Behandlungsraum kommt“, erzählte Ehemann Sebastian.

Der es sehr gut verstand, dem Publikum den Spiegel vorzuhalten. „Es ist nicht alles schlimm. Wir müssen rausgehen und was verändern“, erklärte er. Wir hätten uns nun einmal für den Kapitalismus entschieden. „Und wenn es gut läuft für unsere Kinder, die ja alle hochbegabt sind, dann können sie mit 22 Jahren alles erreicht haben, was erstrebenswert ist: akademische Ausbildung, tollen Beruf, Familie. Ab dann stehen sie völlig dem System zur Verfügung.“ Das sei doch nichts anderes als Sklaverei. „Nur, dass wir uns die Ketten selber anlegen und sie inzwischen leiser rasseln.“

Puffpaff führte das ein oder andere Schreckensbild der Deutschen ad absurdum. Beispiel: sein Supermarkt. „Da steht auf einmal ein Türke davor und wünscht mir einen guten Tag. Wieso ist der nicht drinnen und arbeitet?“ Des Rätsels Lösung: Der Markt gehört ihm, und er gibt vielen Leuten, die vorher arbeitslos waren, Arbeit und bezahlt sie auch noch gut. „Das können wir Deutschen doch so nicht hinnehmen“, so der Kabarettist. „Nachher gehen die noch in die Politik – und machen das auch noch gut.“ Er erklärte, jeder Ausländer sei doch ein ehemaliger Terrorist, der Bienenstich mag und gerne Pferdefleisch isst. „Lasst uns doch die Welt in zwei neue Kategorien aufteilen: in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Und die gibt es auf der ganzen Welt, unabhängig von Hautfarbe oder Glauben.“

Puffpaff beschrieb eine Service-Wüste, die eigentlich gar keine ist, wenn man genau hinschaut. Oder davon, dass er weinen muss, weil das Wasser in einem Zimmerbrunnen im Baumarkt nie das Meer erreichen kann. In den Baumarkt gehe er indes regelmäßig. „Da halte ich dann zehn Minuten eine Schaufel fest. Dann habe ich das Gefühl, ich habe ein Haus gebaut und geh zufrieden wieder nach Hause.“

Schließlich warnte er vor Populisten wie die aus der AfD. „Sie erwecken den Anschein, sie trauen sich, zu sagen, was alle denken. Aber wenn man mal nachfragt, ist nichts dahinter“, sagte Puffpaff. „Lassen Sie sich von denen nicht blenden. Denn auf dieser Fahne weht immer noch das Hakenkreuz.“