Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Pufpaff im Januar in Celle: „Mein Maßstab ist das Publikum“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Pufpaff im Januar in Celle: „Mein Maßstab ist das Publikum“
12:35 08.12.2017
Von Jürgen Poestges
Quelle: Manuel Berninger
Celle Stadt

Sebastian Pufpaff, derzeit muss es für einen Kabarettisten doch eine gute Zeit sein.

Ja, das kann man so sagen. Ich lese derzeit auf der Bühne meinem Publikum nur die Tageszeitung vor und sage ihnen: „Macht etwas draus!“

Was ist für Sie derzeit das kurioseste Thema in der Politik?

Ganz klar: Die gescheitere Jamaika-Sondierung. Da sitzt man als Erwachsener vor dem Bälle-Bad bei Ikea, wo die Kinder spielen. Und dann kriegt einer die Schaufel an den Kopf und steigt jammernd aus. Dann gibt es ein großes Gequengel. Es ist ja auch nicht eine Partei Schuld, sondern eine Person. Der kleine Christian kann eben nicht so gut mit der Angela.

Gibt es eine politische Konstellation, bei der Sie arbeitslos würden?

Absolut nicht! Mein Maßstab ist das Publikum. Wenn mich keiner mehr sehen will, muss ich mir Gedanken machen. Wenn das Lachen verstummt, ist es Zeit zu gehen.

Ihr neues Programm heißt „Auf Anfang“. Für wen oder was wird der Reset-Knopf gedrückt?

Ich möchte, dass wir alle einmal den ganzen Ballast von uns werfen und wieder eine kindliche Sicht auf die Dinge bekommen. Mal auf den Nachbarn schauen, der ist ja vielleicht ganz nett und den kann man mal besuchen. Oder auf der Straße die Leute grüßen, das zaubert ein Lächeln auf die Gesichter. Und jemandem den Vortritt lassen, wenn man ein Gebäude betritt, sorgt erst einmal für Verwirrung, weil niemand mehr damit rechnet. Aber letztlich wird die Stimmung besser. Wir müssen uns klar machen: Wir Menschen sind Herdentiere. Wir sind nur soweit gekommen, weil wir es gemeinsam gemacht haben. Die derzeit in Mode gekommene Individualisierung ist nicht gut für uns.

Sie lassen sich nicht gerne in eine Schublade stecken. Als was bezeichnen Sie sich selbst?

Ich nenne mich gerne Humorist oder Komiker. Das kommt dem, was ich mache, am nächsten. Dieses Schubladen-Denken ist nicht schön. Ich habe schon Comedians erlebt, die tolles politisches Kabarett gemacht haben, und politisches Kabarett, das gnadenlos schlecht war. Diese Kategorisierung ist nur etwas für das gehobene Feuilleton, damit soll den Lesern gesagt werden: Das ist doof, da musst Du nicht hin. Und das andere ist etwas für Intellektuelle.

Sie wurden einmal als der „George Clooney des Kabarett“ bezeichnet. Ist das Ehre oder Fluch?

Ganz klar eine Ehre. Da gibt es Schlimmeres. Ich glaube, das kommt daher, weil ich immer mit einem schwarzen Anzug auf die Bühne gehe. Außerdem hatte ich mit 28 Jahren schon ziemlich viele graue Haare, das hat wohl auch zu dem Label beigetragen.

Sie machen Ihre „Happy Hour“ und den „3. Stock links“ im Fernsehen, sind bei der „heute show“ dabei und touren außerdem noch mit Ihrem Solo-Programm. Was macht Ihnen denn am meisten Spaß?

Am besten gefällt mir der Wechsel zwischen den Projekten, dafür bin ich dankbar. Bei meinen Auftritten genieße ich den gemeinsamen Spaß mit dem Publikum. Die „heute show“ ist wie ein Klassenausflug. Da herrscht eine tolle Atmosphäre, darauf legt Oli Welke auch viel Wert. In der „Happy Hour“ kann ich Kollegen treffen, die ich sonst nicht sehe. Es gibt nichts schöneres für mich, als mit Andreas Rebers abends bei einem Glas Rotwein über Politik zu diskutieren. Dabei bekommt man völlig neue Sichtweisen auf die Dinge. Und „3. Stock links“ taucht absolut in das Fiktive ein. Eine Sitcom zu schreiben, macht viel Spaß.

Wenn Sie Zeit haben: Was schauen Sie sich im Fernsehen an?

Ganz klar: Den „Weltspiegel“. Sonntags um 19.20 Uhr bitte nicht bei Pufpaffs anrufen, dann werde ich böse. Ansonsten schaue ich gerne Reportagen, bin auch ein Sitcom-Fan, und so ein kleines bisschen auch ein Film-Junkie. Mit Bastian Pastewka kann ich allerdings nur die ersten fünf Minuten mithalten, der ist auf dem Feld nicht zu schlagen.

Welches Buch lesen Sie gerade oder haben Sie gelesen?

Auf meinem Nachttisch stapelt sich Literatur. Derzeit lese ich von Joachim Meyerhoff „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Zuletzt habe ich von Stephen King „Basar der bösen Träume“ gelesen, eine Sammlung von Kurzgeschichten. Dazu kommt das ein oder andere Sachbuch, ich lese immer so zwei oder drei Bücher parallel. Und das meistens im Bett vor dem Schlafen. Das kann ich nur jedem empfehlen. Fernseher und Handy aus, und schön gemütlich im Bett lesen. Ich garantiere Ihnen: Sie schlafen danach ganz hervorragend.