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Celle Stadt Puppendoktor Günter Geier in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Puppendoktor Günter Geier in Celle
17:34 23.06.2016
Puppen- und Teddydoktor Günter Geier und Praktikantin Laura Proest reparieren drei Tage lang Puppen und Plüschtiere in Celle. Der 76-Jährige geht bald in Rente. Proest setzt die Tätigkeit fort. Quelle: Benjamin Westhoff
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"Irgendwie hält der Kopf nicht", sagt Lydia Hering, als sie ihre Puppe zu Günter Geier bringt. "Das ist eine Puppe vom Modell Christel. Die ist ja 70 Jahre alt", weiß der Puppen- und Teddydoktor nach einem Blick auf einen seiner "Patienten" am Donnerstag. Der 76-Jährige ist auch noch heute und morgen von 9 bis 18 Uhr im Intercity Hotel und "heilt" beschädigte Puppen und Kuscheltiere.

Hering ist erleichtert, als Geier ihr sagt, dass bei ihrer Puppe wohl nur das Gummiband erneuert werden muss, das die einzelnen Körperteile zusammenhält. Hering erzählt, dass ihre vierjährige Enkelin gerne mit der Puppe spielt.

Der 76-jährige Puppendoktor hat über 15.000 Ersatzteile im Gepäck und kann vor Ort sämtliche Puppen und Kuscheltiere reparieren. "Man braucht Fingerspitzengefühl und muss Spaß an der Arbeit haben", sagt Geier. "Leider ist die Nostalgie der Puppen Vergangenheit. Heutzutage gibt es nur noch wenige Puppendoktoren", sagt Geier. Er wohnt in Seußling bei Bamberg und hat sich nun aus gesundheitlichen Gründen entschieden, in den Ruhestand zu gehen.

Geier hat in Laura Proest eine Nachfolgerin gefunden, die seit Februar bei ihm als Praktikantin lernt. Sie wird sein Lebenswerk ab Oktober fortsetzen und zwei Tage die Woche in ihrer Werkstatt in Hannover Puppen reparieren und die anderen Tage durch ganz Deutschland ziehen. "Es macht Spaß und ist ein schönes Gefühl, wenn die Leute sich freuen, dass ihre Puppe, die sie oft seit dem Kindesalter haben, wieder heile ist", sagt die 22-Jährige.

Kunden kommen überwiegend mit alten, nostalgischen Puppen zu Geier. "Seit Menschengedenken haben Menschen Puppen. Viele verbinden mit ihnen ein Stück Heimat aus Kinderzeiten, das sie bewahren möchten", sagt Geier. Seine Ehefrau sei aber immer noch seine "Lieblingspuppe", sagt der 76-Jährige schmunzelnd.

Ihren geliebten Plüsch-Hund bringt eine 30 Jahre alte Cellerin in die "Sprechstunde" von Geier. Das Futter ist durch einen Waschgang in der Waschmaschine ganz verfilzt. Geier wird es mit neuer Baumwollwatte ersetzen und rät ihr dazu, ihr Kuscheltier lieber mit Polsterschaum einzusprühen und diesen dann abzubürsten. Die Cellerin besitzt ihren Plüsch-Hund seit dem dritten Lebensjahr und gewährt ihm auch einen Platz im Bett.

Inge Freiberg kommt, um eine ihrer geliebten Puppen reparieren zu lassen. "Das Gummi ist gerissen, als meine Enkeltochter die Puppe aus der Glasvitrine nahm", sagt Freiberg, die auch noch eine andere Puppe seit ihrem sechsten Lebensjahr in Ehren hält. Jetzt liegen die einzelnen Körperteile des "Patienten" vor dem Puppendoktor, doch auch diesen kann er wieder "heilen". "Ich kriege fast alle wieder hin. Bei mir gibt es keinen Puppenfriedhof", sagt Geier.

Von Jessica Poszwa