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Celle Stadt Purer Hörgenuss erreicht nur wenige Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Purer Hörgenuss erreicht nur wenige Celler
21:25 06.05.2015
Albert-Jan Roelofs gab mit viel Spiellust ein Orgel-Konzert in der St.-Georg-Kirche in Celle. Quelle: Alex Sorokin
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Es war ein trauriger Anblick: Da haben sich einige Menschen auf engagierte und vielfältige Art darum bemüht, diverse hiesige Orgeln und die für sie geschriebene Musik in Konzerten im Celler Raum vorzustellen, aber die Resonanz war dürftig. Das von Daniel Kunert aus Lutterloh bei Hermannsburg betriebene Internetportal www.orgel-information.de feierte sein zehnjähriges Bestehen und hat deshalb in Zusammenarbeit mit mehreren Kirchengemeinden diese Konzerte, aber auch Sonderveranstaltungen für Kinder sowie einen Cembalo-Kurs organisiert. Allerdings scheint man in Lutterloh die Verhältnisse in Celle nicht richtig eingeschätzt zu haben, denn man tat sich sichtlich schwer, die eigenen Aktivitäten bekannt zu machen. Dementsprechend klein war die Anzahl der Besucher, was bei Organisator Kunert zu spürbarer Frustration führte. So bleibt von einem Abschlusskonzert in der Blumläger Kirche zu berichten, das vor durchaus beeindrucktem, aber sehr kleinem Publikum stattfand.

Zu erleben war einer der Titularorganisten an der Kathedrale im niederländischen Haarlem, Albert-Jan Roelofs. Alleine schon die Tatsache, dass Roelofs Titularorganist an einer für ihre große Orgel bekannten Kirche im Nachbarstaat ist, also eine Ehrenposition inne hat, hätte eigentlich ausreichen sollen, sämtliche Orgelfreunde der Region in die kleine Kirche zu locken um den Stücken von Bach, Händel und Mozart zu lauschen. Es ist ihnen eine kleines musikalisches Highlight entgangen, denn Roelofs erwies sich als äußert souveräner musikalischer Gestalter, der mit lockerer Hand am Ende des Konzerts ein so virtuoses Stück wie die „Pièce d’Orgue“ in G-Dur von Johann Sebastian Bach wie eine Selbstverständlichkeit darbot. Roelofs verfügt über eine Technik, die man gerne noch bei anderen virtuosen und vielleicht bedeutenderen Werken als dieser fixierten Improvisation gehört hätte.

Auch die beiden Orgelconcerti von Händel (opus 4/2) und Bach (BWV 593 nach Vivaldi) gelangen Roelofs bestens. Seine Spiellust war der pure Hörgenuss. Dazu gab es noch eine reizvolle Mozart-Rarität, die ursprünglich für eine Orgelwalze geschrieben wurde und zwei der populärsten Choralbearbeitungen Bachs: das berühmte „Jesu bleibet meine Freude“, eine Bearbeitung aus einer Kantate, und den Schübler-Choral „Wachet auf ruft uns die Stimme“.

Von Reinald Hanke