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Celle Stadt Puschel-Mikro und treudoofer Blick
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Puschel-Mikro und treudoofer Blick
17:00 14.04.2013
Celle Stadt

Das „Puschel-Mikrofon“, die orange-farbene Trainingsjacke aus DDR-Produktion, das vollgestopfte Klemmbrett und der französische Akzent sind zu Markenzeichen des deutsch-französischen Kabarettisten „Alfons“ geworden. Zum Fernsehstar haben ihn jedoch seine doppelbödigen Interviews mit ihren oftmals verblüffenden Wendungen und entlarvenden Pointen gemacht. Am vergangenen Sonnabend, 13. April 2013, präsentierte Alfons in der vollen Halle 16 der CD-Kaserne ein vor Pointen überquellendes Programm, das dem Publikum selten Zeit zum Luftholen ließ.

Sein Programm „Spontan was vorbereitet“ begann mit der Vorführung eines seiner skurrilen Fernsehinterviews auf einer großen Leinwand. Da stand zu befürchten, dass der Schwerpunkt des Abends im Vorführen von TV-Konserven liegen würde, aber der Verdacht bestätigte sich nur zum Teil. Und die kurzen Videos, die er in seinen Auftritt einstreute, bildeten echte Höhepunkte seiner Interview-Reihen.

Im ersten dieser Filme blamierten sich seine Interview-Partner zu der Frage, ob die deutsch-französische Freundschaft nicht durch vermehrtes „Kreuzen“ von Deutschen und Franzosen verbessert werden könnte. Sein treudoofer Blick, seine empathische Art zu fragen und sein charmant übertriebener Akzent schien jeden Interview-Partner aufs Glatteis zu führen.

In Frankreich, so Alfons weiter, werde viel über die Deutschen gesprochen: „Aber wir machen das diskret – hinter ihrem Rücken.“ Die große Tageszeitung „Le Monde“ habe neulich über die „Affäre Gutenberg“ berichtet: Da habe er mit einem Leserbrief für eine Klarstellung sorgen müssen: „Gutenberg hat das Drucken erfunden, Guttenberg das Kopieren.“

Sein Video mit einer Interview-Reportage über die Kunstmesse „Art Cologne“ war unglaublich: Wie naiv muss man als Kurator oder Galerist sein, um sich von Alfons vor laufender Kamera derartig vorführen zu lassen? Mit geschraubten Sätzen mühten sich die Damen und Herren, die hohen Preise der Kunstgegenstände zu rechtfertigen und deren künstlerische Aussage in Worte zu fassen. Es handelte sich dabei allerdings um eine herumliegende Matratze, eine weiße Fläche und ähnlich „Kunstvolles“.

Angesichts der Geburtenrückgänge habe er speziell für die Deutschen einen Vorschlag: „Wenn die was geil machen soll, dann machen sie ein Gesetz.“ Das habe ja bei den Rauchern auch geklappt: „Wenn jemand Sex ohne Verhütungsmittel haben will, soll er gefälligst vor die Tür gehen.“ Es sei doch unglaublich: Da gebe es auf den deutschen Bahnhöfen, „Freiluft-Bahnhöfe“, so gelbe Quadrate, in denen brav die Raucher stünden. In Frankreich würde man so ein Carree zu einem Boule-Platz machen, und die rauchenden Zuschauer würden sich selbstverständlich außerhalb des gelben Vierecks aufhalten, spielte Alfons mit den Klischees von „den“ Deutschen und „den“ Franzosen, aber das machte er gekonnt, liebevoll und kreativ. Peter Bierschwale

Von Peter Bierschwale