Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt QR-Codes bald auf Celler Friedhöfen?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt QR-Codes bald auf Celler Friedhöfen?
07:12 06.04.2016
Von Michael Ende
Bald auch in Celle möglich? Auf Grabsteinen sollen QR-Codes erlaubt werden, so dass sich Friedhofsbesucher per Smartphone über Tote informieren können. Quelle: Bernd Weissbrod
Celle Stadt

Durch das Anbringen eines QR-Codes würden Grabstätten zu „virtuellen Erinnerungsorten“, so SPD-Ratsfrau Inga Marks: „Hier können Fotos, Videos oder die Lebensgeschichte des Verstorbenen bewahrt werden.“ So könnten Trauernde dem Verstorbenen „weltweit nahe“ sein. Die SPD fordert die Verwaltung auf, die Friedhofssatzung so zu ändern, dass QR-Codes künftig möglich seien.

„Eigentlich ist keine Satzungsänderung notwendig“, sagt dazu der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. Entsprechend der Friedhofssatzung wären auch schon heute Antragstellungen für QR-Coders möglich, ohne dass die Satzung geändert oder erweitert werden müsste: „Das heißt, nach jetzigem Stand würde die Friedhofsverwaltung über einen entsprechenden Antrag im laufenden Geschäft entscheiden. Natürlich kann zu diesem vielleicht heiklen Thema der Rat als Satzungsgeber Vorgaben machen beziehungsweise das Aufbringen von QR-Codes ausschließen.“

QR-Codes auf Friedhöfen sind umstritten. Die Landeskirche habe noch keine Position zu diesem Thema formuliert, sagt Celles evangelischer Superintendent Hans-Georg Sundermann: „Ich selbst lehne QR-Codes auf Friedhöfen nicht von vorneherein ab. Ich sehe hier Möglichkeiten einerseits, bei Gräbern prominenter Verstorbener auf deren Lebenslauf und Verdienste hinzuweisen. Andererseits wäre die Nutzung von QR-Codes auch bei anderen Gräbern denkbar. Auf diese Weise könnten sich Angehörige, sofern sie das nötig haben, Freunde, Bekannte, Nachbarn und auch Fremde etwa den Lebenslauf einer verstorbenen Person vergegenwärtigen.“

Sorgen bereitet Sundermann, dass ein QR-Code auch missbraucht werden könnte: "So könnte er etwa genutzt werden, um auf Inhalte zu verweisen, die nicht im Sinne der verstorbenen Person oder der Angehörigen sind. Schwierig stelle ich mir auch vor, wenn durch den QR-Code Videos oder Audio-Dateien abgespielt werden, durch die die Friedhofsruhe gestört wird.“ Auf einem kirchlichen Friedhof müsste darüber hinaus sichergestellt werden, dass durch den QR-Code keine Verweise auf antichristliche oder antikirchliche Inhalte transportiert würden, so Sundermann: „Wer soll das überprüfen und wer übernimmt juristisch die Verantwortung? Ich denke, bevor wir vorschnell die Erlaubnis für die Installation von QR-Codes auf Celler Gräbern fordern, sollten bestehende Erfahrungen ausgewertet und offene Fragen geklärt werden."