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Celle Stadt Quo vadis, Wolf? Debatte in Celle hält an / Hornbostel: Schafzüchter will aufhören
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Quo vadis, Wolf? Debatte in Celle hält an / Hornbostel: Schafzüchter will aufhören
12:48 07.11.2018
Von Maren Schulze
ARCHIV - Ein Wolf (Canis lupus) steht am 24.02.2014 in seinem Gehege im Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa (zu lbn vom 06.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: Patrick Pleul
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Als Anja Müller aus Bannetze im vergangenen Herbst gemeinsam mit Mann und Hund zum Pilzesammeln aufbrach, ahnte sie noch nichts von der tierischen Begegnung, die sie an diesem Tag haben würde. „Unser Hund lief an der Leine und hatte die Nase erhoben. Da haben mein Mann und ich uns umgedreht und 15 Meter hinter uns den Wolf gesehen. Wir haben uns kurz angesehen und dann war der Wolf auch schon wieder weg“, erzählt Anja Müller und schwärmt „das war ein sensationell schöner Moment. Wir haben uns sehr gefreut, das Tier gesehen zu haben und ich habe auch heute keine Angst vor dem Wolf.“ Ein positives Naturerlebnis.

Während die Debatte um den richtigen Umgang mit dem Wildtier Wolf derzeit in vollem Gange ist, zeichnen Tierhalter, Jäger, Wolfsberater und Bürger im Kreis Celle ein differenziertes Bild. Den Wolf verdammt niemand - ob er sich aber ungehindert ausbreiten können soll, daran scheiden sich die Geister.

Fast 200 Jahre lang war der Wolf in Deutschland ausgerottet, erst nach dem Fall der Mauer kam er zurück. Mittlerweile leben in Deutschland wieder rund 30 Rudel, so Wildbiologin Britta Habbe, die sich im Auftrag der Landesjägerschaft Niedersachsen um das Wolfsmonitoring kümmert.

Vier Rudel leben im Kreis Celle

In Niedersachsen hat sich der Celler Raum zu einem Hauptlebensraum der Wölfe gemausert, im Landkreis und den umliegenden Regionen leben derzeit vier Rudel, bestehend aus je etwa acht Tieren. Dadurch kommt es nun auch gehäuft zu Beobachtungen des Wolfes, am Freitagmittag beobachtete der Celler Jäger Herbert Brettschneider nahe Westohe bei Bannetze einen Wolf, der die Straße überquerte. Und erst vor wenigen Tagen bot sich in Dageförde das gleiche Bild.

Wegen der Rückkehr der Wölfe fordert Niedersachsen nun eine bundesweite Meldestelle. Dort sollten künftig Beobachtungen und Bewertungen zu Wolfssichtungen zusammengeführt werden, sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

In einem sind sich vom Jäger über den Tierhalter bis zum Wolfsberater auch im Kreis Celle alle einig – dem Wolf ist nur mit gesellschaftlicher Akzeptanz gedient.

Hobbyzüchter will aufgeben

Unterdessen wird Hobbyschafzüchter Ralf Winkler aus Hornbostel sein Hobby wohl an den Nagel hängen. Er fühlt sich hilflos und ist ärgerlich. Bereits in der Nacht zu Samstag starben drei seiner Kamerunschafe auf der Weide nahe des Ortes, am Sonntag dann findet er eines der toten Tiere an einem anderen Ort vor, als er den Kadaver zurückgelassen hatte. Winkler vermutet, dass der Wolf erneut dort war. Der rund 35 Kilogramm schwere Kadaver wurde mehrere Meter weit weg gezerrt und teilweise gefressen.

Die Wildkamera, die Winkler an der Weide installiert hat, hat bislang aber nur Vögel und einen Fuchs aufgezeichnet. Ein Gentest, veranlasst durch den Wolfsbeauftragten Volkhard Pohlmann aus Groß Hehlen, soll klären, ob tatsächlich der Wolf für die toten Tiere verantwortlich ist. Wann das Ergebnis vorliegen wird, ist noch unklar. Dass der Wolf die Schafe getötet hat, da ist sich Ralf Winkler aber auch so fast sicher. „Hunde, die so etwas machen können, sind hier nicht bekannt.“ Zur Wolfstheorie passt auch, dass ein Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs war, am frühen Samstagmorgen gegen 6.40 Uhr einen großen Wolf wenige hundert Meter entfernt von der Fundstelle des vierten toten Schafes gesehen hat. „Er lief über die Allerwiesen und verschwand dann im Wald“, sagt Frank Ripke aus Hornbostel, der das Tier auf seinem Weg einige Minuten beobachten konnte.

„Ich bin nun dabei, aufzuhören“, sagt Winkler,. Eine Entschädigung für die toten Tiere will er aber nicht haben. „Der ganze Aufwand dafür ist mir im Hobbybereich zu viel“, sagt er. Bei hauptberuflichen Tierhalter sehe es natürlich anders aus. Auch, wenn Winkler um seine Tiere trauert: „Der Wolf gehört hier her. Es ist nur die Frage, wie wir in Zukunft mit dem Thema umgehen.“ Und da, so Winkler, ist die Politik gefordert.