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Celle Stadt Rätselhafter Storchentod im Celler Land
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rätselhafter Storchentod im Celler Land
18:40 27.06.2016
Die Störche in Wienhausen, Langlingen und Nienhagen. Quelle: Joachim Gries
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In Jeversen etwa wurden die drei Jungvögel zweieinhalb Wochen alt, dann waren sie weg. Im Nest und unterhalb wurde nichts von ihnen gefunden. Nicht ungewöhnlich ist, dass toter Nachwuchs von den Altvögeln gefressen wird. Aber woran sind sie gestorben?

Auch in Hambühren war dreiköpfiger Nachwuchs im Nest. Ein Tier warfen die Eltern raus, die beiden anderen verschwanden, als sie ebenfalls etwa zweieinhalb Wochen alt waren. Hier hatte Behrmann kurz vor dem Schlüpfen erlebt, dass beide Tiere vor dem Nest standen, nach seiner Einschätzung sind sie noch unerfahren im Brutgeschäft. In Großmoor war die ursprüngliche Zahl der Küken unbekannt, zwei Jungtiere im Alter von zwei Wochen lagen dann tot unter dem Nest, das jetzt leer ist.

Die Hauptgründe für das Sterben des Storchennachwuchses sind Nässe und Kälte, Nahrungsmangel oder Nestkämpfe mit Fremdstörchen. Diese „Normalfaktoren“ scheiden laut Behrmann aus. Und dass sie Gift zum Opfer gefallen sind, glaubt er auch nicht, denn dafür liegen die Neststandorte zu weit auseinander.

Gegenüber dem Rekordjahr 2015, als 29 Jungstörche im Landkreis Celle aufwuchsen, sind zurzeit 17 in den verbliebenen neun Nestern. Ob sie alle überleben, ist offen. Und während die ersten Jungtiere im Alter von acht bis neun Wochen in wenigen Tagen die ersten Flugversuche unternehmen werden, wird es in Bannetze noch ein bisschen dauern. Dort schlüpfte der Nachwuchs erst am 5. Juni.

Hohe Temperaturen erschweren für die Altvögel die Futtersuche. Für ihre Jungen holen sie Wasser und sprühen sie damit ein. Oder sie spenden ihnen mit Körper und Flügeln Schatten.

„Bei 15 Paaren sind 17 Jungvögel zu wenig“, bilanziert Behrmann. Im Landkreis Gifhorn sieht es anders aus. Dort gibt es 40 Paare, die momentan um die 65 Junge haben. Dort schlüpfen sogar noch welche, doch von diesen späten Nachzüglern werden noch welche sterben, vermutet der „Storchenpastor“, der seit 30 Jahren die Adebare im Celler Raum und seit elf Jahren die im Landkreis Gifhorn betreut.

Im Celler Raum gibt es allerdings auch Hoffnungsschimmer für eine wachsende Storchenpopulation. So steht seit zwei Wochen ein Paar auf dem neuen Nest in Bleckmar. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Behrmann. Es ist in der Tat unberechenbar, wo sich die Tiere niederlassen. Als vor ein paar Jahren bei Becklingen ein neues Nest umgeben von Wiesen errichtet wurde, ging Behrmann fest davon aus, dass es bezogen wurde. Bis heute ist das aber nicht der Fall.

Auf dem im vergangenen Herbst in Bockelskamp aufgestellten Nest steht seit einigen Wochen ein Einzelstorch. Als Behrmann am Sonntag mit Interessierten auf Storchentour im Landkreis unterwegs war, stand unweit des Nests auf dem trockenen Ast einer Eiche ein zweiter Storch. Als die Tiere in die Luft stiegen, attackierten sie sich auch nicht, sondern drehten ihre Runden über dem Dorf. Dieses Jahr wird es dort nichts mehr mit der Brut – aber vielleicht 2017.

Von Joachim Gries