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Celle Stadt Raffinierte Chor-Arrangements in Wietzenbrucher Lobetalkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Raffinierte Chor-Arrangements in Wietzenbrucher Lobetalkirche
08:12 20.06.2016
Balance aus Lockerheit und Konzentration: der Chor Vivid Voices in der Lobetalkirche. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Diese Formation ist nicht irgendein Chor von vielen im reichen hannoverschen Chorleben, sondern es ist der Jazz-Chor schlechthin, und zwar nicht nur in Hannover, sondern weit darüber hinaus. Beheimatet ist Vivid Voices an der Musikhochschule der Landeshauptstadt, was auch erklärt, warum die musikalische Grundsubstanz des Chores so hoch ist. Chorleiterin Claudia Burghard hat zudem ihre Musikstudenten bestens in Griff, hat ihren Sängerinnen und Sängern nicht nur Technik beigebracht, sondern lässt ihnen auch viele musikalische Entfaltungsmöglichkeiten. Und das Allerwichtigste: Es gelingt ihr immer wieder, die Balance aus Lockerheit und Konzentration mit ihrem Chor zu finden. Genau das war denn auch in der Lobetalkirche eindrucksvoll zu erleben.

Der Anfang des Konzerts bestand äußerlich aus einer Tonübung, einem Aufspalten eines Tones in einen Cluster mit anschließendem wieder Zusammenführen. Derartiges würde bei vielen anderen Chören eher nach Technik denn nach Musik klingen, hier jedoch war mit diesem aus dem Nichts sich entwickelnden und wieder verschwindenden Klangband bereits das erste Faszinosum zu erleben. Es folgten diverse Stücke, die keineswegs nur dem Jazz zuzuordnen waren. Englischsprachige Traditionals gab es in raffinierten Arrangements genauso zu hören wie Poppiges in zumeist dermaßen anspruchsvollem Gewand, dass man sich manchmal wunderte, was man alles aus den nicht immer sehr substanzvollen Vorlagen machen kann.

Eine besondere Erwähnung verdienen die kreativen Kräfte im Chor, die teilweise selbst diese Arrangements geschrieben haben. Und manche trugen sogar eigene Stücke zum Programm bei. Die Bearbeitung des aus Celle stammenden Richard Stiegler von „Der Mond ist aufgegangen“ war genauso gelungen wie manch andere Eigenproduktion. Und Juliette Jacobsons von ihr selbst solistisch vorgetragener Song „Turn Around“ lässt den Wunsch aufkommen, diese charaktervolle Stimme auch mal in einem Soloprogramm hören zu wollen.

Von Reinald Hanke