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Celle Stadt Rainer Eppelmann in Celle: "Demokratie ist kostbar"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rainer Eppelmann in Celle: "Demokratie ist kostbar"
17:07 24.07.2014
Rainer Eppelmann während seines engagierten - Vortrags im Celler Gymnasium Ernestinum. Quelle: Benjamin Westhoff
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Der 71-Jährige musste schon seit der Schulzeit Einschnitte durch die Politik der Sowjetischen Besatzungszone hinnehmen. Das Abitur durfte er in der DDR nicht ablegen, weil seine Eltern nicht in der Staatspartei, der SED, waren. Drangsaliert wurde der spätere Seelsorger ständig, bis er verhaftet wurde, weil er als Pastor den „Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen“ einleitete. Eppelmann ist heute Vorsitzender der „Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“ und möchte seine Erfahrungen an die Menschen bringen, die fernab der innerdeutschen Grenze wohnten beziehungsweise die Teilung nicht miterlebten.

Der früheren Lehrer am Ernestinum, Dietmar Herbst, gehörte zu Eppelmanns Beraterstab. Er hatte seinen Weggefährten zu dem Vortrag nach Celle eingeladen. „Ich bin hier, um vor allem auch mit Schülern zu diskutieren“, so Eppelmann. „Ich möchte nicht nur den Zeitzeugen etwas erzählen, sondern auch den danach Geborenen“, machte er klar und leitete so zu Studien mit Gymnasiasten über.

Eppelmann hat eine bundesweite Befragung von Zehntklässlern der gymnasialen Oberstufe durchgeführt. Im Multiple-Choice-Verfahren mit vier Antwortmöglichkeiten wurde unter anderem gefragt, wer Erich Honecker ist. „20 Prozent haben gedacht, er wäre ein alter Bandleader“, rief er verdutzt. Hier glänzten die Mädchen und Jungen des Gymnasiums Ernestinum, denn 90 Prozent von ihnen wussten, wer Honecker war. Die Studie ergab auch, dass jeder Dritte keinen Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur nennen konnte. „Bei der Wahl 1932 wurde Hitler gewählt, weil die Menschen nur die Arbeitslosigkeit und Inflation gesehen haben und nicht weiter gedacht haben“, sagte Eppelmann und verwies auf die heutige Unwissenheit. „Die Kostbarkeit des normalen Lebens, also unserer Demokratie, ist den meisten nicht bewusst“, betonte Eppelmann. „Die Demokratie in Deutschland und Europa kann nur bleiben, wenn jeder bereit ist, sie zu gestalten, zu fördern und zu verteidigen“, machte er deutlich.

„Das ist lebendige Geschichte“, sagte Eva Hentschel, eine Besucherin, zu dem Vortrag. Am Abend spricht Rainer Eppelmann ab 19 Uhr in der Celler Stadtkirche zum Thema „Die Rolle der protestantischen Kirche in der friedlichen Revolution der DDR“.

Von Roger Piater