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Celle Stadt Ralf Richter in Kunst & Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ralf Richter in Kunst & Bühne
12:21 12.03.2012
Ralf Richter - Foto 2 und 3: Ralf Richter in Kunst & B¸hne Quelle: Hartmut Jakubowsky
Celle Stadt

Als „armer Ossi“ aus Wittenberg bezeichnet sich Ralf Richter selbst, zieht mit einem pfiffigen Grinsen über die Sachsen und Bayern her und versichert, dass derjenige, der sich getroffen fühlt, auch gemeint sei. Mit seinem neuen Programm „Mit gutem Beispiel hinterher“ war der Kabarettist und Comedian („Man muss auch Comedy machen, um junge Leute ins Kabarett zu bringen, aber heute hat das nicht so geklappt“) jetzt mit großem Erfolg im voll besetzten Kleinkunsttheater „Kunst & Bühne“ zu erleben. Gut zwei Stunden lang unterhielt Richter bestens gelaunt und hoch engagiert sein Publikum mit Pointen im Minutentakt und nahm dabei alles aufs Korn, was sich in diesem Genre nur irgendwie anbietet. Da man dabei nur allzu oft auch sich selbst ertappt und auf die Schippe genommen fühlt, war es kaum ein Wunder, dass Lachen an diesem Abend Trumpf war.

Dabei geht Richter nur selten in die Tiefe und stellt auch nicht die Nachdenklichkeit in den Vordergrund seiner Betrachtungen. Aber immer legt er genau da den Finger in die Wunde, wo man am empfindlichsten ist und nimmt sich selbst dabei nicht aus. „Situationen zu überzeichnen, ist die Aufgabe des Kabaretts“, sagt er und bleibt immer der Realität und Wahrheit verhaftet, die er dann aber so aufbläst, dass sie irgendwann mit einem lauten Knalleffekt zerplatzen und urkomisch werden. Dass Richter bisweilen auch vor ziemlich abgedroschenen Gags und Kalauern nicht zurückschreckt, ist nur ein kleiner Wermutstropfen, den man leicht goutieren kann.

Um Kochshows geht es und um die „Flachlegehennen“ bei „Bauer pflügt Frau“, um das „Frühlingsfest der Volksmusik“ mit Florian Silbereisen und um Kaffeefahrten, Handys und Senioren; und um den Schock, den man überwinden muss, wenn beim 3D-Fernsehen ganz unvermittelt Carmen Nebel aus dem Fernseher steigt. „Die Deutschen bauen Krötentunnel mit Beleuchtung“, sagt Richter, „bei den Franzosen ist das anders. Dort steht am Ende des Tunnels eine Fritteuse.“

Erst ganz am Schluss wird Richter politisch. Da bekommen dann Guttenberg und Westerwelle, Merkel („wenn da man nicht der Hape Kerkeling dahinter steckt“) und Wulff ihr „Fett weg“. Alles in allem: Richters Kost ist leicht verdaulich, angenehm gewürzt und reizt vor allem die Lachmuskeln. Die Zuhörer in „Kunst & Bühne“ strapazierten sie kräftig.

Von Hartmut Jakubowsky