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Celle Stadt Ratenzahlung statt Knast: Hilfe bei Geldstrafen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ratenzahlung statt Knast: Hilfe bei Geldstrafen
18:36 24.08.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Wer eine Geldstrafe aufgebrummt bekommt, aber nicht zahlt, dem droht der Knast. Kommt es tatsächlich dazu, hat das in doppelter Hinsicht Nachteile: Zum einen wird das Geld, das vielen gemeinnützigen Organisationen zufließt, nicht eingetrieben. Zum anderen muss der Steuerzahler den Gefängnisaufenthalt finanzieren.

Vor diesem Hintergrund haben alle niedersächsischen Anlaufstellen für Straffällige zum Jahresanfang ein Projekt ins Leben gerufen. Ziel ist es zu verhindern, dass der säumige Zahler hinter Gittern landet. Auch der Celler Verein Brückenbau beteiligt sich daran.

Nach sieben Monaten zieht Matthias Wachau, Leiter der Anlaufstelle für Straffällige in der Jägerstraße 25a, eine positive Zwischenbilanz. „In 23 Fällen sind wir vermittelnd tätig geworden“, sagt er. Wachaus Angaben zufolge beträgt die Gesamtsumme der Geldstrafen 27470 Euro. Umgerechnet sind das 1078 Hafttage.

In 18 Fällen konnte Brückenbau eine Ratenzahlung vermitteln. Die zu zahlende Gesamtsumme beläuft sich auf 17890 Euro. Werden diese mit der Staatsanwaltschaft getroffenen Vereinbarungen durchgehalten, könnten 631 Hafttage vermieden werden. „In fünf weiteren Fällen konnten wir statt einer Ratenzahlung eine Umwandlung in gemeinnützige Arbeit vermitteln“, fügt Wachau hinzu. In diesem Fall hätten die zu zahlenden Geldstrafen 5400 Euro beziehungsweise 323 Hafttage betragen.

Leider gibt es auch Rückschläge: In drei Fällen wurde die vereinbarte Ratenzahlung gar nicht erst aufgenommen oder abgebrochen. Die Summe dieser Geldstrafen beläuft sich auf 3480 Euro. Umgerechnet sind das 124 Hafttage.

Den Kontakt zum Verein Brückenbau suchen in der Regel diejenigen, die eine Ladung zum Strafantritt erhalten haben. Gemeinsam mit dem Schreiben der Staatsanwaltschaft erhalten sie auch eine Informationsbroschüre über das kostenlose Angebot des Vereins. Dieser hilft den Betroffenen bei der Antragstellung. Wird eine Ratenzahlung vereinbart, sind die säumigen Zahler dafür selbst verantwortlich. Die Ratenhöhe richtet sich nach den jeweiligen Einkommensverhältnissen.

„Einige sehen sich aber nicht in der Lage, die Raten zu zahlen“, erläutert Wachau. Häufig seien dies Hartz-IV-Empfänger. Diese hätten dann die Möglichkeit, mit gemeinnütziger Arbeit ihre Schuld zu begleichen. Entsprechende Jobs sind zum Beispiel Hausmeistertätigkeiten in Kirchengemeinden oder Altenheimen. Die Folgen eines Gefängnisaufenthalts können gravierend sein: Wer erst hinter Gittern sitze und seine Miete nicht zahle, dem drohe auch noch der Wohnungsverlust und die Obdachlosigkeit, sagt Wachau.

Bei der Vermeidung von Gefängnisaufenthalten wird viel Steuergeld gespart. In Niedersachsen fallen etwa 300 bis 400 Haftplätze pro Jahr auf Menschen, bei denen die Geldstrafe in Haft umgewandelt wird. Ein Haftplatz kostet den Staat etwa 90 Euro pro Tag.