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Celle Stadt Rathsmühlenbrücke fällt ins Wasser
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rathsmühlenbrücke fällt ins Wasser
16:55 20.02.2012
Von Michael Ende
Es bleibt bei der Vision: Rathsm¸hlenbr¸cke Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

CELLE-ALTSTADT. Das einstmals als einmalige und großartige Zukunftschance hoch gelobte Projekt Allerinsel-Entwicklung bröckelt und hakt an vielen Stellen. Die ursprünglich ins Auge gefasste "Marina mit einem Klein-Barcelona am Hafen findet nicht mehr statt", sagte kürzlich Stadtbaurat Matthias Hardinghaus im Bauausschuss. Bis zu 50 Millionen Euro wollte man in der ersten Ziel-1-Förder-Euphorie auf die Insel leiten - nun sollen es binnen 10 bis 15 Jahren noch 23,5 Millionen sein. "Von der ursprünglichen Gelenk-Idee für den Neumarkt als Verbindung zwischen Allerinsel und Altstadt werden wir uns verabschieden müssen", sagte jetzt Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD): "Die geplante Rathsmühlenbrücke können wir nicht finanzieren, und außerdem ist sie durch den nun geplanten Hafenstraßen-Kreisel nicht mehr begründbar."

Als geradezu genial und unverzichtbar war die Gelenk-Idee und ganz besonders die neue Brücke zwischen der Allerinsel und der Investitions-Ruine Rathsmühle bis dahin von den Stadtplanern verkauft worden. Bis es Ende 2011 plötzlich seitens der Stadt hieß, dass die bis dahin als gesichert geltende Brücken-Kofinanzierung durch das Land in Gefahr sei, weil das Land Förderzusagen zurückschraube. Mende und Hardinghaus führten ergebnislose Verhandlungen im Sozialministerium in Hannover - das Brückenprojekt lag bereits im Sterben.

"Eine ziemlich peinliche Vorstellung" hätten die Celler mit ihrem dilettantischen Vorgehen in Hannover gegeben, sagt der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch: "Die Stadt lag völlig falsch." In den betroffenen Ministerien sei man "not amused", sagt Adasch, der sich sowohl im Sozialministerium als auch bei der NBank sach- und fachkundig gemacht hat: "Die Stadt Celle hat den Förderantrag für die Rathsmühlen-Brücke im Sommer letzten Jahres gestellt. Die Förderkriterien sehen bei einer Förderung einer Erschließungsanlage eine Förderobergrenze von 160 Euro pro Quadratmeter vor. Zuvor war eine Förderung von Brücken grundsätzlich ausgeschlossen."

Wie man jedoch in Celle zu der Aussage komme, dass das Land Fördermittel auf 160 Euro pro Quadratmeter kürzen wolle, erschließe sich nicht, so Adasch, der dem OB "oft genug" seine Hilfe angeboten habe, in dieser Sache aber nicht einbezogen worden sei: "Dem Land Niedersachsen hier irgendwie den schwarzen Peter zuschieben zu wollen, wird der Sache nicht gerecht und ist für das weitere Verfahren auch nicht hilfreich. Was das Gesamtthema Allerinsel- und Neumarkt-Entwicklung angeht, kann ich nur empfehlen, dass sich alle Beteiligten weiter eng mit dem Land Niedersachsen abstimmen und dieses einzigartige Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss bringen."

Auf Antrag der Rats-CDU, die die Rathsmühlenbrücke als "finanziell unrealistisch" eingestuft hatte, hat der Rat den Brückenbau nun verworfen. CDU-Fraktionsspitze Heiko Gevers: "Die wichtige Idee des Gelenks zwischen Allerinsel und Altstadt kann stattdessen auch über den Kreisel Hafenstraße gelebt werden." Michael Ende

Meinung

Kläglich

Allzu gut fügt sich der sang- und klanglose Abschied von der Rathsmühlenbrücke in das Bild, das sich in Sachen Allerinsel-Entwicklung herauskristallisiert. Da wird so lange hier was wegdiskutiert, dort was abgeknappst und da etwas fortgenommen, bis am Ende nur noch ein kümmerlicher Stumpf zurückbleibt. Bei Obstbäumen sollen derartig radikale Beschneidungsaktionen ja gerade gutes Wachstum und reiche Ernten beschleunigen, doch die Insel ist nun mal kein Gewächs, an dem sich Hobbygärtner austoben sollten.

Bei der Entwicklung wären erfahrene Stadtplanungs-Profis und Politiker, die wissen, was sie wollen, gefragt. Was die Akteure jedoch in Sachen Rathsmühlenbrücken-Fehlschlag und „Gelenk-Idee“ abgeliefert haben, ist beispielhaft dafür, wie so etwas nicht funktioniert: Hier wurden Hoffnungen geweckt und gehegt, die weit abseits des Realisierbaren lagen: Planung à la Wolkenkuckucksheim. Spannend ist unter diesem Aspekt, was wohl überhaupt am Ende von Sprüchen und Visionen zum Thema „Schliff des Rohdiamanten Allerinsel“ übrig bleiben wird. Wird diese Sache Leuten überlassen, die das nicht können oder wollen, so dürfte das Ergebnis kläglich geraten.