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Celle Stadt Raubgut der Nazis? 3000 Objekte des Celler Bomann-Museums werden überprüft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Raubgut der Nazis? 3000 Objekte des Celler Bomann-Museums werden überprüft
09:48 15.04.2016
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Meiners verwies auf die „Washingtoner Erklärung“ vom 3. Dezember 1998. Darin haben 44 Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, zugesagt, auf der Grundlage einer freiwilligen Verpflichtung unrechtmäßig entzogene Kulturgüter zu identifizieren. Anschließend sei „eine faire und gerechte Lösung“ mit den Vorbesitzern beziehungsweise deren Erben anzustreben. Diese könne zum Beispiel in der Rückgabe oder einem erneuten Ankauf zu einem gerechten Preis bestehen.

Auch das Bomann-Museum habe sich dieser freiwilligen Verpflichtung unterworfen. Bei einer ersten Überprüfung im Jahr 2000 habe man hier allerdings unter den rund 3000 im Inventarbuch verzeichneten Objekteingängen der Jahre 1933 bis 1945 zwar „Dinge, die sehr verdächtig waren“, aber noch keine konkreten Anhaltspunkte gefunden. Das habe sich erst geändert, als eine Liste „verdächtiger Händler“ veröffentlicht worden sei, von denen man wusste, dass sie mit Raubkunst gehandelt haben, etwa das Auktionshaus Hans W. Lange in Berlin und das Dorotheum in Wien, wo in den Jahren 1940 bis 1944 wiederholt Ankäufe erfolgt sind.

Die rund 3000 in Frage kommenden Objekte des Bomann-Museums werden nun im Rahmen des zunächst auf zwei Jahre angelegten und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg mit 123.000 Euro geförderten Forschungsprojektes einer gründlichen Prüfung unterzogen.

Eine auf den ersten Blick ziemlich hohe Zahl, auch im Hinblick auf den Recherche- und Arbeitsaufwand der Provenienzforschung. Die Zahl wird allerdings relativiert, wenn man weiß, dass sich der Gesamtbestand der Objekte in den Sammlungen des Bomann-Museums heute im mittleren sechsstelligen Bereich bewegt.

Nachdem die Suche nach entzogenen Kulturgütern sich zunächst auf große Gemäldesammlungen konzentriert hatte, bestehe der Anspruch der aktuellen Provenienzforschung mittlerweile darin, die Herkunft aller Objekte unabhängig von ihrem materiellen Wert zu untersuchen. Denn es seien bekanntlich auch viele Privatpersonen, vor allem Juden betroffen gewesen, die von den Nazis enteignet worden seien, betonte Galler.

Und so gehe es „nicht nur um hochwertige Kunst, sondern auch um Objekte von emotionalem Wert“. Zur Identifizierung von verfolgungsbedingt entzogenen Gütern werden daher sämtliche Objekte überprüft, die vor 1945 gefertigt wurden und nach 1933 in den Museumsbestand gelangt sind. Dabei sei zu ermitteln, in welchen Fällen sich ein konkreter Verdacht ergibt und bestätigt.

Die wesentlichen Ergebnisse werden auf der Website des Museums und der Internetpräsenz des Netzwerks „Provenienzforschung in Niedersachsen“ veröffentlicht. Darüber hinaus wird das Projekt durch eine regelmäßige Pressearbeit begleitet. Zur ausführlichen Darstellung der Ergebnisse ist eine Publikation geplant.

Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl