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Celle Stadt Recht auf eigenes Sexualleben für Kinder: Diskussion um Montessori-Schulleiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Recht auf eigenes Sexualleben für Kinder: Diskussion um Montessori-Schulleiter
13:03 29.05.2015
Von Gunther Meinrenken
Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Der Schulleiter soll erst vor einigen Wochen an der Schule in Erscheinung getreten sein. Dafür gibt es noch andere Hinweise. Auf der Internetseite der Schule wird das Team der alternativen Bildungseinrichtung vorgestellt. Von Schoenebeck taucht dabei nicht auf. Außerdem: „Bei der jüngsten Versammlung hat der Vereinsvorstand erklärt, dass sich von Schoenebeck im Hintergrund halten sollte, um die Teamentwicklung der Schulleitung nicht zu beeinflussen“, so Vater Benjamin Hänsch. Eine Anfrage der CZ hat weder von Schoenebeck noch die Schule gestern bis zum Redaktionsschluss beantwortet.

Einige Eltern an der Schule sehen die Person des neuen Schulleiters sehr kritisch. Von Schoenebeck, Jahrgang 1947, hat in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt. Der Vertreter der so genannten Antipädagogik ist Verfasser des Deutschen Kindermanifestes, das er zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter am 3. Mai 1980 auf dem Friedensmarkt in Münster proklamierte. Nicht nur aus heutiger Sicht ein umstrittenes Papier. Schon damals forderten einige Mitglieder des Deutschen Kinderschutzbundes den Ausschluss der Gruppierung.

In dem Kindermanifest, das sich auf der Internetseite von von Schoenebeck wiederfindet, fordert er unter anderem in Artikel 10: „Kinder haben das Recht, sich von bisherigen Lebenspartnern zu trennen und neue Lebenspartner zu wählen. Kinder können eine eigene Familie gründen.“ In Artikel 18 heißt es: „Kinder haben das Recht, ihr Sexualleben selbst zu bestimmen und Nachkommen zu zeugen.“

Was soll das heißen? Dürfen etwa Elfjährige oder noch jüngere Kinder sich einen Erwachsenen zum Lebenspartner nehmen und mit ihm Geschlechtsverkehr haben? Oder sollten diese Forderungen nicht eher auf eine Legalisierung der Neigungen pädophiler Menschen hinauslaufen? Schon damals stand der Verdacht im Raum, dass es hier nicht in erster Linie um Kinderrechte geht.

Das Kindermanifest sorgte nicht nur vor 35 Jahren für kontroverse Diskussionen, es darf durchaus auch in Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Pädophilen-Debatte bei den Grünen gesehen werden. Kein Wunder, dass einige Eltern an der Montessori-Schule beunruhigt sind, dass von Schoenebeck nun offiziell als Schulleiter tätig ist. Sie fürchten eine Abkehr von der Montessori-Pädagogik und einen gravierenden Paradigmenwechsel an der Schule.

Schaut man sich an, wie sich von Schoenebeck die Schule von morgen vorstellt, kann man diese Sorgen durchaus verstehen. Der „Antipädagoge“ hat seine Ideen in einem Artikel mit der Überschrift „Die Impulse für die Schule der Zukunft“ ausgeführt. Demnach sollte die Schulpflicht aufgehoben und statt Schulen Lernzentren eingeführt werden. „Die Kinder werden sich dort aufhalten, wo sie es jeweils wirklich wollen: Irgendwo in ihrem Wohnbereich, so wie es sich ergibt. Das kann das Lernzentrum sein, vielleicht für ein paar Stunden, oder auch nicht“, schreibt von Schoenebeck.

Für die „Lehrer der Zukunft“ bedeutet das, dass sie wie ein Streetworker arbeiten müssten, als „Street-Teacher“. „Er wird die Kinder an ihren Treffpunkten aufsuchen und seine Angebote dabeihaben“, so von Schoenebeck.