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Celle Stadt Rechtsstreit bremst Sanierung des Celler Bahnhofs aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rechtsstreit bremst Sanierung des Celler Bahnhofs aus
16:21 14.09.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Mit großem Trara sind 2012 die Sanierungsarbeiten für den Celler Bahnhof gestartet. Fünf Jahre später dauert die Modernisierung immer noch an, und es ist ruhig geworden um die Dauerbaustelle. Denn von den 40 Stationen, die bei der zweiten Runde des Modernisierungsprogramm "Niedersachsen ist am Zug!" (NiaZ) berücksichtigt wurden, ist Celle die einzige offene Baustelle. Und mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan.

Der aktuelle Grund, warum es im Bahnhof seit Monaten nicht vorangeht, ist offenbar ein Rechtsstreit. "Wir sind derzeit mit dem Bauunternehmen im juristischen Austausch", sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf CZ-Anfrage. "Die Klärung zur Mangelbehebung an Teilleistungen führt leider weiterhin zu einer Verzögerung der Fertigstellung."

Die Celler Stadtverwaltung ist mit der Informationspolitik der Bahn unzufrieden. "Leider werden wir nicht pro-aktiv auf dem Laufenden gehalten. Wir sind aber nimmermüde, Infos über den Fortschritt der Bauarbeiten bei der Bahn abzufragen", sagt Rathaussprecherin Myriam Meißner. "Anfang August hat die Bahn auf Nachfrage der Stadt Celle mitgeteilt, dass es zur Mängelbeseitigung am Putz in der Personenunterführung einen nicht entschiedenen Rechtsstreit zwischen der Bahn und dem Bauunternehmen gibt und dass die Arbeiten zur Installation einer provisorischen Entwässerung im September beginnen sollen." Bis gestern war von diesen Bauarbeiten aber nichts zu sehen.

Unterdessen wird das Bauvorhaben immer teurer. "Die Kosten für die Modernisierung betragen rund 5 Millionen Euro", lautete die erste Kostenschätzung der Bahn im Jahr 2011. Zum Start des zweiten Bauabschnitts 2015 wurden die Gesamtkosten auf 6,4 Millionen Euro beziffert. Auf CZ-Anfrage im Februar 2017 ging die Deutsche Bahn von Ausgaben in Höhe von rund 8 Millionen Euro aus. Die Nachfrage, ob mit weiteren Steigerungen zu rechnen sei, ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die immerhin 30 Prozent der Gesamtkosten trägt, kann noch keine Endsumme abschätzen. "Die wird ganz wesentlich davon abhängen, ob es der Deutschen Bahn gelingt, die Mängel von der bauausführenden Firma beseitigen zu lassen", sagt LNVG-Sprecher Rainer Peters. Die übrigen Investitionskosten zahlen der Bund (60 Prozent) und die Deutsche Bahn (10 Prozent).

Peters geht derzeit davon aus, dass die Bauarbeiten in diesem Herbst beendet werden. Das wäre wünschenswert, denn in Celle sorgen die aktuellen Zustände für Verärgerung. "Das Erscheinungsbild des Celler Bahnhofs ist uns seit Langem ein Dorn im Auge. Er ist aktuell kein repräsentatives Eingangstor zur Stadt", sagt Stadtsprecherin Meißner. Die Verwaltung setze alle Hebel in Bewegung, um das zu verbessern. "Da sind wir sehr aktiv und guter Hoffnung, dass sich in naher Zukunft sichtbar etwas tut."

"Ich wohne schon ewig in Celle, und auf dem Bahnhof sieht es schon viel zu lange so aus. Besonders die Toiletten sind furchtbar", meint Karin Franke. Die 62-Jährige glaubt nicht an ein baldiges Bauende. "Das ist wirklich traurig, denn unser Bahnhof ist für viele Leute das Erste, was sie von Celle sehen."

Die Touristen sehen das gelassener. "Im Vergleich zu Berlin sieht es hier gar nicht so schlimm aus. Trotzdem könnte man einen besseren Eindruck von Celle haben, wenn man hier ein bisschen was macht", sagt Guido Korzonnek. Der 47-Jährige ist zwar gebürtiger Celler, lebt aber mittlerweile in der Hauptstadt.

"Dass der Bahnhof so unfertig aussieht, stört mich eigentlich nicht. Bei vielen Bahnhöfen ist das ähnlich", sagt Fabian Karweit. Ganz geheuer ist dem 20-jährigen Pendler der Zustand jedoch nicht: "Die ganzen Kabel, die hier überall herumhängen, könnten echt gefährlich sein." Alia Scheffler aus Wolfsburg sieht das ähnlich: "Für Baumaßnahmen habe ich Verständnis, die müssen einfach sein. Es sollte aber wesentlich mehr Sicherheitsvorkehrungen geben." Bei ihrem ersten Celle-Besuch sei der 22-Jährigen die Baustelle gar nicht so aufgefallen. "Aber wenn man genauer hinsieht, geht das so gar nicht."