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Celle Stadt Reif für den Großen Plan: Abi-Umzug in Celle 2017 (mit Kurzvideo und Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Reif für den Großen Plan: Abi-Umzug in Celle 2017 (mit Kurzvideo und Bildergalerie)
10:19 15.06.2017
Von Christian Link
Celle Stadt

Wenn es nach den Schülern des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums (KAV) geht, ist die Hackordnung in Celle eindeutig: Ganz vorne stehen sie, danach kommen Ernestinum, Hölty- und das Hermann-Billung-Gymnasium. Die Berufsbildenden Schulen tauchen in der provozierenden "Nahrungskette", die gestern einen Traktor beim Festumzug der Celler Abiturienten durch die Innenstadt schmückte, gar nicht mehr auf.

Mit einem Festumzug haben die Celler Abiturienten am Mittwoch das Ende ihrer Schulzeit gefeiert. Angeführt vom KAV fuhren die ausgelassenen Gymnasiasten im Konvoi quer durch die Innenstadt. Erstmals gab es dabei wieder einen Zwischenstopp auf dem Großen Plan.

"Hier regiert das KAV", skandierten die Schüler ausgelassen und hatten damit nicht ganz unrecht. Denn die KAV-Abiturienten durften mit ihren Fahrzeugen vorneweg fahren – und da ist es bekanntlich in jeder Fahrzeugschlange am schönsten. Vor allem beim Zwischenstopp auf dem Großen Plan, den der Abi-Umzug gestern nach fünf Jahren Unterbrechung erstmals wieder einlegen durfte, erwies sich die Pole Position als klarer Vorteil. Denn während die vorderen Wagenbesatzungen das Bad in der Menge genossen, mussten die hinteren Umzugsteilnehmer auf ihren Traktoren in der Bergstraße verweilen.

"Den Halt auf dem Großen Plan hätte man sich sparen können", ärgerte sich später ein Ernestinum-Schüler. Doch der überwiegende Teil der Abiturienten sowie die zahllosen Angehörigen und Mitschüler, die auf dem Platz den vorbeifahrenden Traktoren zujubelten, sahen das freilich anders. "Dass wir da halten konnten, war schon was", freute sich Nico Müller vom Hölty-Gymnasium. Gerne hätte er darauf mit Oberbürgermeister Jörg Nigge bei einem Sekt angestoßen, leider habe sich dazu nicht die Gelegenheit ergeben. "Ich habe ihn aber gesehen", sagte der 19-jährige Celler.

Nigge hatte bereits im Wahlkampf zugesagt, dass er den seit 2012 untersagten Zwischenstopp des Abi-Umzugs auf dem Großen Plan wieder erlauben wolle. Die Erfüllung seines Wahlversprechens dürfte das Stadtoberhaupt nach dem gestrigen Festumzug nicht bereut haben. "Die Abiturienten haben sich so gut benommen, dass sie in den nächsten Jahren sicher wieder hier halten dürfen", sagte Biggi Nehring, die den Abschluss ihrer Tochter Juline beim KAV feierte. "Wir bedanken uns dafür, dass die Schüler endlich wieder absteigen durften", sagten auch Barbara Herminghausen, die ihrem Sohn Jan Hendrik (Ernestinum) zuwinkte, und Klaudia Behrens, die Tochter Karolin auf dem KAV-Wagen anfeuerte.

"Es ist super, endlich keine Schule mehr", jubelte Nele Bühring von der Albrecht-Thaer-Schule (BBS II). Die 19-jährige aus Eldingen hat bereits einen Vertrag bei Volkswagen unterzeichnet und will sich in Wolfsburg zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden lassen. Der gleichaltrige Onur Abaci vom Ernestinum sieht den Wechsel in die Arbeitswelt dagegen gelassen. "Die Schulzeit war relativ entspannt", meinte der angehende Lehrer aus Vorwerk. Während er auf den Studienplatz wartet, will er entweder ein Jahr reisen oder jobben.

Bei Vanessa de Guzman war die Erleichterung besonders groß. "Es ist sehr cool. Ich war auf der Realschule Wathlingen und hätte damals nicht gedacht, dass ich es bis zum Abitur schaffe", freute sich die 19-jährige aus Nienhagen. Nun würde sie gerne Musik und Englisch auf Lehramt studieren, kann aber die Bewerbungsfristen nicht mehr einhalten. Auch ihrer Schulfreundin Rica Papenburg, die ebenfalls von der Realschule ans Gymnasium wechselte, ist auf der Suche nach einem Studienplatz. "Ich gehe das Ganze erst einmal ruhig an und schaue, wo es Zusagen gibt", sagte sie.

Nachdem sich die beiden ihre Hochschulreife hart erarbeitet haben, wollten sie gestern erst einmal feiern. "Wir lassen jetzt schön die Sau raus, damit wir heute Nacht gut schlafen können und morgen nüchtern unsere Abi-Zeugnisse in Empfang nehmen können", sagte de Guzman. Eine ähnliche Strategie fuhren offenbar die meisten Abiturienten, die am Schützenplatz noch lange feierten. AKH Celle behandelte gestern nur wenige "Alkoholleichen", wie eine CZ-Anfrage ergab. Die Zahl der Fälle habe sich im einstelligen Bereich bewegt. Die Polizei vermeldete keine Zwischenfälle.