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Celle Stadt "Reif für die Insel": Ausstellung im Celler Schloss eröffnet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Reif für die Insel": Ausstellung im Celler Schloss eröffnet
19:31 18.05.2014
Von Oliver Gatz
Im ehemaligen Gastgemach des Schlosses lebt die Celler Hofkultur mit wertvollen Pokalen und Tischbrunnen wieder auf. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Es ist prunkvoll eingerichtet, das Gastgemach des Celler Schlosses. Einst war hier Herzog Georg Wilhelms prominentester Besucher untergebracht, der englische König Wilhelm III. von Oranien.Die Celler Herzöge zeigten ihre Macht und ihren Reichtum in einer aufwendigen Hofkultur. Gemälde, wertvolle Pokale und Tischbrunnen erinnern an diese Ära. "Das ist Klasse in Masse. Man wollte mit einer Fülle an Opulenz in höchster Qualität überzeugen", erläutert Heiko Laß, Kurator der Ausstellung "Reif für die Insel".Georg Wilhelm war eng mit Wilhelm III. befreundet. Beide besuchten sich häufig und gingen gemeinsam auf die Jagd. Im Rahmen eines dieser Besuche 1698 sprach Eleonore d‘Olbreuse, die Gemahlin von Herzog Georg Wilhelm, den König erfolgreich auf eine mögliche Thronfolge der Welfen in England an.Das Fürstentum Lüneburg mit seiner Residenz Celle war bis um 1700 das bedeutendste Territorium der Welfen. Daher wurden vielen wichtige Entscheidungen, die das welfische Gesamthaus und die Thronfolge der Welfen in England angingen, in Celle getroffen.An anderer Stelle im Schloss geht es um die Politik der Welfen und ihren Aufstieg. Nach dem Dreißigjährigen Krieg bauten sie beständig ihre Macht und ihren Einfluss aus. Die Welfen unterhielten eine große Armee. "Der Krieg war in der damaligen Zeit ein anerkanntes Mittel der Politik", erläutert Laß. "Die Welfen waren erfolgreiche Feldherren. Das hat zu ihrem Renommee beigetragen und war für den Aufstieg und die Anerkennung der Dynastie sehr wichtig" Im Celler Schloss lebt diese Geschichte anhand von Gemälden und Büsten der Protagonisten wieder auf.Vor allem Herzog Ernst August und seiner Frau Sophie ist der Aufstieg der Welfen zu einer der mächtigsten Dynastien Norddeutschlands und zuletzt Europas zu verdanken. Während Ernst August sich energisch um die Erlangung der wichtigen Kurwürde bemühte, brachte Sophie aufgrund ihrer Abstammung die britische Königskrone an das Haus der Welfen. Schließlich bestieg ihr Sohn Georg Ludwig 1714 als König Georg I. den britischen Thron.Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf die damalige Situation in England. Dort herrschte im 17. Jahrhundert eine heute unvorstellbare Furcht vor dem Katholizismus. Zeitgenössische Flugblätter – polemisch überzogen – dokumentieren diese Angst. Schließlich wurde ein Gesetz erlassen, das alle Katholiken vom Thron ausschloss. Als dann in England protestantische Erben ausblieben, waren die nächsten Berechtigten auf den Thron Sophie aus Hannover und ihre Nachkommen.Der Act of Settlement von 1701 setzte mit Sophie die Welfen in der englischen Thronfolge auf Platz Eins. Im Rahmen der Ausstellung ist ein Faksimile dieses bedeutenden Dokuments zu sehen.Die Schau zeigt aber auch die Kehrseite des Welfen-Aufstiegs – nämlich die tragischen Schicksale, die damit verbunden waren.