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Celle Stadt Reiner Kröhnert in Celle: Mutti reloaded
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Reiner Kröhnert in Celle: Mutti reloaded
19:51 30.12.2013
Von Gunther Meinrenken
Reiner Kröhnert als "Mutti reloaded" in der Celler CD-Kaserne. Der Kabarettist führte seine Zuschauer ein in die abgründige Gedankenwelt der politischen Elite des Landes. Quelle: Alex Sorokin
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Die Jubelpose stimmt, die Perücke sitzt, die Mundwinkel kann sonst wohl nur eine andere Person genauso herunter ziehen wie Reiner Kröhnert. In seiner Paraderolle als Bundeskanzlerin Angela Merkel stürmte der Kabarettist am Sonntagabend auf die Bühne der CD-Kaserne und nahm die etwa 300 Besucher in der ausverkauften kleich Halle gleich mitten hinein in sein politisches Gruselkabinett. "Hier bin ich wieder. Die alte und neue Nummer 1. Mutti reloaded", merkelte Kröhnert und startete seine bissigen, haarfein formulierten Bösartigkeiten, die sich durch seinen gesamten Jahresrückblick unter dem Programmtitel "Kröhnerts Krönung" zogen.

Ungerührt führte Kröhnert die Zuschauer in seine Gedankenwelt Merkels ein, die als "Politgirlie" in den Westen gekommen war, und nach und nach jedes politische Schwergewicht bis hin zu Helmut Kohl aus dem Weg geräumt hatte. Der nächste in der Reihe ist Sigmar Gabriel: "Ich sage nur Projekt 18 Prozent. Die FDP ist von unten gekommen, die SPD kommt von oben und kriegt das auch hin."

Kröhnert verschonte niemanden. Egal, ob als die Grünen-Spitzen Trittin, Cohn-Bendit und Kretschmann, die sich fragten, wie sie aus dem Stuttgart21-Dilemma wieder herauskommen sollen (Trittin: Ich bin für Stuttgart21, dann haben wir wieder etwas, wogegen wir sein können und wenn der Tiefbahnhof steht, steigen wir wieder aus.) oder als Wolfgang, der Drachmentöter, Schäuble, der detailliert die Notwendigkeit der Euro-Stabilität auf Kosten aller begründete: Kröhnert bewies sich stets als Meister der Verwandlung. Eine Kunst, wie der Parodist nicht nur in Mimik, Körperhaltung, Sprachduktus und Gestik die Zielscheiben seiner Satire-Attacken imitierte, selbst der Tonfall seiner Figuren stimmte exakt.

Unterbrochen von den zotig-philophischen Diskussionsrunden "Der Intellekt hat viele Gesichter" mit Michel Friedman, Jürgen Safranski und ihren intellektuellen Gegnern Boris Becker, Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger und Mario Basler, führte Kröhnert das Publikum ein in die geheime und niederträchtige Gedankenwelt der politischen Kaste. So ließ er die von Merkel "weggebissenen" Friedrich Merz und Karl Theodor zu Guttenberg wiederauferstehen, in den Startlöchern stehend, um eine neue Partei zu gründen. "Der Guttenberg schreibt schon am Parteiprogramm. Seine eigenen Gedanken hat er schon einmal auf einen Bierdeckel geschrieben. Den Rest schreibt er aus einem verschollenen Tagebuch von Jörg Haider ab", gab Kröhnert den Merz.

Einen besonders perfiden Pakt des Teufels schmiedete Kröhnert zwischen dem Schauspiel-Ungetüm Klaus Kinski und der katholischen Kirche. Beide vereint in ihrer Missbrauchsvergangenheit lamentierte Kinski, warum er für die sexuellen Übergriffe an seiner Tochter Pola nun posthum verurteilt würde, in der Kirche hingegen kaum etwas geschehe. "Ach wär' ich doch nur Priester geworden, in einem Kinderschänderorden", dichtete Kröhnert ohne Erbarmen und setzte noch pointiert hinzu: "Und ständ' es auch im Papstbericht, es käme nie ans Tageslicht."