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Celle Stadt Reise ins "Abenteuerland" in Celler CD-Kaserne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Reise ins "Abenteuerland" in Celler CD-Kaserne
16:47 22.05.2015
Die schwäbische Kabarettistin Ramona Schukraft überzeuge in der CD-Kaserne als ihr Alter ego Sybille Bullatschek. Quelle: Peter Bierschwale
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Die geballte Fachkompetenz saß im Zuschauerraum, aber die „Altenpflegerin Sybille Bullatschek“ stand oben auf der Bühne in der CD-Kaserne. Ihr Programm „Volle Pflegekraft voraus!“ nahm die Arbeitsbedingungen der Altenpfleger auf sehr unterhaltsame Weise unter die Lupe. Weit über zweihundert Zuschauer verfolgten hochvergnügt, was die Bullatschek an kuriosen Episoden aus ihrem „Haus Sonnenuntergang“ zu berichten hatte.

Als bekennender Fan der Band „Pur“ begann Sybille Bullatschek (Ramona Schukraft) ihren Auftritt mit dem Song „Komm mit mir ins Abenteuerland“, und dieses „Abenteuerland“ zog sich wie ein roter Faden durch ihr Programm. Die Komikerin startete zunächst mit Klamauk. Da ging es um einen bettlägerigen Herrn, den sie abends auf dem Balkon vergessen hatte, um Senioren, die sich auf Hüpfburgen vergnügen sollten oder um die Folgen, die das Verteilen von klebrigen Toffifees in Altenheimen haben kann. Nun könnte man das als respektlos gegenüber alten Menschen abtun, aber den vielen Altenpflegerinnen im überwiegend weiblichen Publikum schien es Vergnügen zu bereiten.

Als die Kabarettistin dann einen riesigen blauen Ballon nach vorn auf die Bühne schob, ließ sich ahnen, dass sie nun ein nettes Spiel mit ihrem Publikum beginnen wollte, ein „Kennenlernspiel“ natürlich. Das nahm jedoch eine überraschende Wende: Der Ballon flog in die erste Reihe, und da saßen einige „Kolleginnen“ aus der Altenpflege. Damit war ja zu rechnen gewesen. Als er dann aber in der vierten landete, stellte sich heraus, dass offenbar der Celler „Guizetti-Park“ eine Art Betriebsausflug unternommen hatte.

Schließlich landete der Ball noch weiter hinten, und diese Besucherin schien nun nichts mit der Altenpflege zu tun zu haben, denn sie gab an, in der „Verwaltung“ zu arbeiten. Geschickt zog die Komikerin der Zuschauerin Detail um Detail aus der Nase, bis sich herausstellte, dass die Frau beim Landkreis für die „Heimaufsicht“ zuständig ist. Da gab es natürlich ein riesiges Gelächter im Publikum.

Einen aparten Reiz hatte das hemmungslose Schwäbeln der Baden-Württembergerin. Da wurde aus ihrem (Ford-)Fiesta ein Fieschta und aus dem Kaspar der Kaschpa. Aber das Wort „Finanschdienschtleischtung“ brachte selbst sie nicht unfallfrei über die Lippen.

Ramona Schukraft bot ein klasse Programm, das vordergründig wie Pointen-Comedy aufgebaut war. Doch gleichzeitig thematisierte sie die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Altenpflege. Und vielleicht lässt sich die unmittelbare Nähe zum Tod dort tatsächlich nur mit Humor ertragen. Vielleicht war diese Sicht der Grund für die große Nähe der Kolleginnen.

Von Peter Bierschwale