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Celle Stadt Reisende, Künstler und Literaten entdecken die malerische Heide
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Reisende, Künstler und Literaten entdecken die malerische Heide
13:38 02.06.2017
20 Gemälde von Malern aus 150 Jahren zeigen die malerische Heide. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Der Wanderführer, den er meinte, war der 1860 in Celle geborene und 1935 in Hannover verstorbene Künstler Rudolf Hermanns. Ein Künstler, der die Lüneburger Heide noch an vielen Stellen als einsame, von Menschen fast unberührte und unzerstörte Landschaft erlebt hat. Sei es das Erscheinungsbild der Heide im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten oder der sich weit öffnende Horizont mit seinen sich auftürmenden Wolkengebirgen – Hermanns wusste die Heide wahrlich malerisch ins Bild zu setzen. Doch gehörten seine Werke „schon im Zeitpunkt ihrer Entstehung einer vergangenen Epoche“ an, wie Klaus Homann, der langjährige Leiter des Albert-König-Museums, in einer Publikation feststellt.

In seiner Dauerausstellung „Gemalt, besungen, bereist – Die Entdeckung der Heide“ widmet sich das Bomann-Museum mit beispielhaften Gemälden von Malern wie Rudolf Hermanns und literarischen Beispielen unter anderem von Arno Schmidt und Hermann Löns der Erschließung der Heide durch Ausflügler und Wanderer, die die Basis für die touristische Nutzung der Region bildeten. Während durch den selbst ernannten „Heidediener, Blattanbeter und Windverehrer“ Arno Schmidt – wie in der Ausstellung veranschaulicht wird – die Heide „einen Platz in der Weltliteratur“ gefunden hat, wurde Hermann Löns, ein Mensch voller Widersprüche, zur Kultfigur. Für die Wirtschaftswunder-Deutschen wurde der „Pionier der Heimat- und Naturschutzbewegung“ zum Inbegriff von Idylle und Naturverbundenheit. Und viele Lönslieder wurden zu Gassenhauern.

Bis ins 19. Jahrhundert war es noch gängige Meinung über die Heideflächen zwischen Elbe und Aller, die Heide sei „wie eine Wüste – öd und unfruchtbar“. Doch seit Ende des 19. Jahrhunderts rückten Schriftsteller und Maler die Heide in ein neues Licht. Hermann Löns’ Schilderungen etwa zogen zahlreiche Na-tursuchende in die Region, in Arno Schmidts Büchern wurden Wälder und Bäche, Pflanzen und Tiere, Wolken, Wind und Wetter immer wieder zu narrativen Akteuren, Heidemaler veränderten mit ihren Gemälden die Wahrnehmung der Landschaft, und der Tourismus kam unaufhaltsam in Fahrt. Davon zeugen in der Ausstellung neben zwanzig ausgewählten Heidebildern aus 150 Jahren nicht nur Publikationen jener Zeit, sondern auch eine Collage mit Reisebildern aus der Heide, aufgenommen zwischen 1903 und 2013.

Die malerischen Landschaften, romantischen Kutschfahrten und Heideblütenfeste ergänzten sich zum klassischen Heidebild, das Ruhe und Erholung in der Natur versprach, weit weg von Alltagsstress und Großstadtlärm. Ein willkommener Kontrast zur Dynamik städtischen Lebens. Neben Seebädern und Mittelgebirgen wurde die Heide zu einem neuen entdeckungswürdigen Zielort. Und mit kilometerweiten Fahrrad- und Wanderstrecken sowie einer nach und nach angepassten touristischen Infrastruktur stellte man sich zielstrebig auf die Bedürfnisse der Urlaubs- und Feriengäste ein.

Von Rolf-Dieter Diehl