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Celle Stadt Rente, Reha, Hartz IV: Immer mehr junge Menschen suchen Rat beim Celler SoVD
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rente, Reha, Hartz IV: Immer mehr junge Menschen suchen Rat beim Celler SoVD
14:36 06.01.2014
Von Oliver Gatz
Mit einem Plakat in der Fußgängerzone machten Sabine Kellner (links) und ihre Mitstreiter im September auf das Thema Barrierefreiheit aufmerksam. Quelle: Alex Sorokin (Archiv)
Celle Stadt

Rund 4000 Gespräche, 5800 Telefonate, 1200 Verfahren: Die Mitarbeiter des Celler SoVD hatten im abgelaufenen Jahr wieder alle Hände voll zu tun. „Der Beratungsbedarf ist enorm hoch“, sagt Sabine Kellner, Leiterin des Beratungszentrums in der Hannoverschen Straße. Wer Fragen zur Rente, Schwerbehindertenrecht, Pflegeversicherung oder beruflicher Rehabilitation hat, findet dort Hilfe und Unterstützung. Insbesondere Verfahren und Beratungen bei psychischen Leiden wie Burnout, Angst- und Panikattacken oder der Hyperaktivitätsstörung ADHS nehmen nach Kellners Angaben zu.

Weiterer Trend: Immer mehr jüngere Menschen suchen die Celler Beratungsstelle auf. Dabei handelt es sich um die Altersgruppe 35 bis 50. Früher war es eher die Generation 60 plus, die mit Problemen zum SoVD kam. Die Klientel ist ganz unterschiedlich. Sie reicht vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Geschäftsmann und promovierten Akademiker. „Zum Glück lassen sich die Leute mittlerweile rechtzeitig beraten“, berichtet Kellner. „Sie erkundigen sich eher, welche Rente sie zu erwarten haben, wann sie in Rente gehen können oder was passiert, wenn sie schwerbehindert sind.“

Nach Angaben der Leiterin ist der Beratungsbedarf im SoVD-Kreisverband in den vergangenen Jahren gestiegen. So sind zum Beispiel offene Sprechstunden eingerichtet worden. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. „Das wird sich in diesem Jahr fortsetzen“, prognostiziert Kellner. „Die Leute sind verunsichert.“

Zum 31. Dezember vergangenen Jahres hatte der SoVD-Kreisverband 10.343 Mitglieder. Sie sind im Schnitt 62,3 Jahre alt. Über das Jahr gab es 726 Neuaufnahmen, die den Sterbefällen gegengerechnet werden müssen. Unterm Strich wachse die Mitgliederzahl aber stetig, so Kellner – ein Indiz dafür, dass immer mehr Menschen glauben, im Sozialstaat unter die Räder zu geraten.

Vorteilhaft ist für den SoVD, dass er im Gegensatz zu Behörden eine neutrale Beratungsstelle ist. Das schafft Vertrauen. Denn so mancher zweifelt, ob eine Behördenauskunft tatsächlich das Wohl des Ratsuchenden im Blick hat. „Vielerorts gibt es auch keinen persönlichen Ansprechpartner mehr“, fügt Kellner hinzu. Da werde so manches über Callcenter geregelt. Außerdem berate der SoVD den Menschen in seiner gesamten Situation, betrachte das Problem nicht isoliert und knüpfe Verbindungen zu anderen Organisationen wie der Celler Demenz Initiative, dem Onkologische Forum oder dem Sozialverband VdK.